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Reventure-Honk im Auftrags des Königs!

Lesezeit etwa: 3 Minuten, 44 Sekunden

Ganz unverhofft ist ein Testmuster des Spiels „Reventure“ bei mir auf dem Schreibtisch gelandet. Nebenbei habe ich während der Arbeit, ohne Ton, etwas Gameplay auf meinem zweiten Bildschirm abgespielt und immer wieder kurz einen Blick darauf geworfen. Der erste Eindruck war: „Schon wieder so ein uninspiriertes Klötzchen-Game, welches mit hässlicher Grafik und planlosem Gameplay einen auf Retro machen will“. Als ich dann einige Tage später das Spiel getestet habe, ist mir klar geworden, dass ich über das kantige kleine Programm etwas vorschnell geurteilt habe und doch mehr drin steckt, als ich auf den ersten Blick vermutet habe.  

Jeden Tag steht irgendwo ein Idiot auf. Das trifft so ziemlich die Message dieses Indie-Games. Eures Zeichens seid ihr der auserwählte Held und bekommt vom König den Auftrag, seine entführte Tochter wieder zurück ins heimische Burggemäuer zu bringen. Genau dieser originelle Auftrag erwartet euch. Dass euer Pixel-Alter-Ego dabei ein wenig an Nintendos grünen Zipfelmützenträger angelehnt ist, gehört zum satirischen Grundton des Spiels. Ein Beispiel: Nachdem ihr den Auftrag vom König bekommen habt, wollt ihr das Schloss verlassen, doch die Wache lässt euch ohne Bewaffnung nicht passieren. Hinter dem Haus des Helden gelangt ihr ins Gebirge. Dort wartet ein alter weiser Mann und bewahrt ein Schwert für euren klotzigen Abenteurer auf. Mit den Worten des Alten, „Es ist gefährlich Allein“, nehmt ihr das Schneidwerkzeug aus einer Truhe. Um die Kampfgeschwindigkeit der Klinge zu testen, drücke ich mehrmals die Angriffstaste. Der grün bemützte Jüngling fuchtelt herum und tötet aus Versehen den greisen Gönner. Danach wandert unser pixeliger Held in den Knast und das Spiel ist vorbei. Dazu kommt noch ein humoristischer Text: Voller Übermut, sein neues Schwert testen zu wollen, konnte der Held es nicht abwarten, den Schergen des Bösen gegenüber zu treten und killt kurzerhand den alten Mann. Es ist gefährlich in eurer Nähe zu sein. Schon hat man eines der unzähligen Endings gesehen, denn alles hat ein Ende doch „Reventure hat 100. Je nach dem was genau ihr im Spiel macht oder vergeigt, hat das Auswirkungen auf das Geschehen und müsst bei jedem neuen Start mit den Konsequenzen eures letzten Versagens klar kommen. Nach und nach bekommt ihr den Eindruck, dass dieser Held ein totaler Vollpfosten ist. Teilweise ist echt schwarzer Humor dabei und ich hab mich gekugelt vor Lachen. An dieser Stelle möchte ich nicht mehr Beispiele nennen, da das quasi das große Highlight des Spiels ist.

Das Gamplay besteht daraus, in einer klotzigen 2D-Welt Ausrüstung zu finden, mit der ihr euch Stück für Stück voran tastet. Die Steuerung geht in Ordnung und macht was sie soll. Trotzdem werdet ihr oft sterben oder Fehler machen, weil das Spiel es so will. Nur wenn ihr Dinge vergeigt, werden die witzigen Enden getriggert. Je nach dem wie weit ihr kommt, wird euch noch angezeigt, wie viel Prozent der anderen Helden genau so weit gekommen sind wie ihr. Nettes Gimmik, aber auch nicht mehr. Insgesamt ist das Spiel nicht sehr lang und lebt davon, dass ihr Dinge falsch macht und immer wieder von vorne beginnen müsst, um den perfekten Run zu schaffen. Trotzdem lässt euch die grobkantige Software einigen Freiraum zum Experimentieren. Was passiert wohl, wenn ich hier runter springe, jenen Schalter drücke oder NPC XY töte, da man bei fast jeder Aktion eines der witzigen Enden triggern kann.

Audiovisuell ist „Reventure“ blanker Hohn. Grobe Pixelgestalten in langweiligen Umgebungen mit simpelsten Animationen erwarten euch. Die akustische Untermalung düdelt mit 8Bit-Chiptune-Sounds vor sich hin und ist allenfalls vorhanden. Man kann das Ganze zwar als Stilmittel betrachten, aber ganz ehrlich, da wäre mehr drin gewesen. Gerade weil der Pixel-Trip so originell und witzig geschrieben ist, wäre ein wenig mehr Augenzucker kein Fehler, um nicht nur hardcore Pixelfetischisten anzulocken. Gerade weil es dem gängigen RPG-Klischees so richtig den Mittelfinger ins Gesicht hält, hoffe ich, dass es ein paar Leute mehr zum Lachen bringt. Wenn da nicht der satte Preis von 9,99€ wäre. Das ist meiner Meinung nach recht hoch für die Qualität und den Umfang des Spiels.

Fazit:
„Reventure“ ist originell geschrieben und räumt durch schwarzen Humor mit Rollenspiel-Klischees auf. Technisch macht das Klötzchen-Abenteuer keine großen Sprünge und ist höchstens als funktionabel und zweckmäßig zu bezeichnen. Wer sich an der minimalistischen Art und Weise nicht stört, kann für den recht stolzen Preis 9,99€ sein ganz persönliches „Reventure“ erleben. Allen anderen empfehle ich, bei Interesse auf einen Sale zu warten.

Für Königreich und Vaterland...euer Tim aka Dr.Agon



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