IGI SWITCH


Copyright: Screenshot - Nintendo Switch

The World Ends With You: Final Remix

  • By DrAgon
  • Veröffentlicht: 30.10.2018 20:37:27
  • 0 Kommentare

  • Zuletzt bearbeitet am: 30.10.2018 21:56:42 von DrAgon
Lesezeit etwa: 8 Minuten, 1 Sekunde

Nipponart-Flash in Tokyo!

HD-Remaster-Versionen von älteren Spielen auf aktuellen Systemen zu veröffentlichen, ist ja bei den Publishern schon irgendwie zum Volkssport geworden. Manche der Klassiker werden dreist immer wieder vermarktet, um mangelnde Kreativität zu kaschieren oder einfach den Gamern aus Nostalgiegründen die Knete aus dem Kreuz zu leiern.

ANDERS sehe ich das allerdings bei „The World Ends With You: Final Remix“. Das Action-J-RPG erschien im Jahr 2007 für den Nintendo DS und hatte mich damals schon schwer beeindruckt. Nur wenige Spiele waren seiner Zeit so perfekt auf sein Endgerät abgestimmt wie der bunte Ausflug in das tragbare Shibuya. Es nutzte damals den DS und seine Möglichkeiten in allen Belangen gut aus, um ein hervorragendes Erlebnis zu kreieren. Das Gameplay ist fein auf Nintendos klappbaren Freudenbringer angepasst, ohne plump und aufgesetzt zu wirken. Zwar hat die DS-Version im Kampfgeschehen ab und an leichte Übersichtsprobleme, dennoch ist es ein unvergessliches Stück Software und sollte in der Bibliothek jedes japanaffinen Gamers vertreten sein.

Das audiovisuelle Spektakel habe ich bis heute nicht vergessen und Nekus Irrweg durch eine andere Dimension hat einen festen Platz in meiner RPG Top 10. Das Spiel ist damals bei Medien und Fans relativ gut bewertet worden, doch trotzdem blieb es wie Blei in den Regalen liegen. Daher bin ich froh, dass dieses Game noch mal eine Chance bekommt, um die aktuelle Gamerschaft erneut zu begeistern.    

Zuerst stellt sich mir die Frage, wie ein Spiel und dessen Gameplay, das ursprünglich für zwei Bildschirme ausgelegt ist, überhaupt auf einem Screen funktionieren kann. Dazu muss man wissen, dass 2012 schon ein Remake von „TWEWY“ mit dem Untertitel „Solo Remix“ für IOS und Android erschienen ist. Hier wurde schon die meiste Vorarbeit in Bezug auf One-Screen-Gaming getätigt und für die Switch lediglich um einige Elemente erweitert, doch dazu später mehr.

Aber genug geschwafelt…,ihr wollt Infos zur Switch-Version!

Der Protagonist Neku erwacht ohne zu wissen, wie er mitten in Tokyos Stadtteil Shibuya gelangt ist. Zunächst wirkt der kleine Swager recht unsympathisch. Aus seiner Abneigung gegen andere Menschen macht er kein Geheimnis und kommt rüber wie ein kleiner Kotzbrocken. Neku macht aber im Laufe des Games eine Wandlung durch, die ihn in ein anderes Licht rückt. Zu viel möchte ich euch aber nicht vorweg nehmen.  Euer „Hero“ beobachtet wie Leute um ihn herum verschwinden und kurz darauf wird er von seltsamen Kreaturen angegriffen. Anschließend trifft er auf das flippige Mädel Shiki. Sie ist das blanke Gegenteil von Neku und überrumpelt ihn dazu, mit ihr einen Pakt zu schließen. Sonst fallen sie den Wesen, genannt NOISE, zum Opfer. Widerwillig stimmt Neku zu…uuuuund los geht das Abenteuer.

Im Laufe der ersten Stunde erfahrt ihr, dass ihr in einer alternativen Dimension von Shibuya gelandet seid. Eine mysteriöse Gruppierung namens Reaper treibt hier ein übles Spiel mit den Leuten. Sie müssen sieben Tage Missionen erfüllen und überleben, sonst werden sie ausgelöscht. In der anderen Dimension können sich nur Spieler, Reaper und NOISE gegenseitig wahrnehmen. Die Bevölkerung der Stadt kann euch weder sehen noch höhren.

„The World Ends With You“ ist ein Action-J-RPG, schlägt aber keineswegs in die klassische Kerbe. Ihr werdet schnell merken, dass hier Einiges anders läuft. Neku hat einen besonderen PIN (Anstecker) in seiner Tasche. Der sogenannte Spieler-PIN erlaubt euch durch Scannen, die Gedanken anderer Menschen zu lesen, die NOISE sichtbar zu machen und zu bekämpfen. PINs sind quasi eure Fähigkeiten im Spiel und symbolisieren ja nach Abbildung eine andere Psych-Kraft, mit der Neku sich zur Wehr setzten kann. Feuer, Eis, physische und telekinetische sowie eine Vielzahl anderer Angriffe stehen dem kleinen Style-Boy zur Verfügung. Durch die mehrfache Verwendung der nützlichen Anstecker verbessern sich deren Kräfte, typisches LVL-UP-System. Auch Neku und Gefolge selbst steigen genretypisch durch den Erhalt von EXP auf. Während des Spiels bekommt ihr eine Menge verschiedener PINs mit unterschiedlichen Stärken, sodass ihr euren Kampfstil damit individuell bestimmen könnt.

Der Ablauf ist sehr storylastig. Ähnlich wie bei der Persona-Serie trägt die Geschichte den Hauptteil des Spiels und die ist echt spannend erzählt. Während einem anfangs Kotzkrücke Neku wirklich nervt, entwickelt sich der Kopfhörerträger aufgrund der Begegnungen mit anderen Figuren charakterlich weiter und man will mehr wissen. Wer sind die Reaper? Was hat es mit diesem grausamen Spiel auf sich und warum kann sich Neku an nichts mehr erinnern? Das alles klärt sich im Laufe der Geschichte und hat auch den einen oder anderen guten Twist parat. Ansonsten durchstreift ihr das Viertel Shibuya, erfüllt Missionen und jagt NOISE, um euch aufzuleveln. Gebietsweise müsst ihr auch kleinere Aufgaben erfüllen, damit ihr unsichtbare Mauern überwinden dürft. Tötet zwei Gegner von jenem Typ, kauft ein Item im Shop, pflanzt Leuten mit einer Handy-App Worte in das Gedächtnis usw. Die kleinen Quests sorgen für etwas Inhalt, sind aber meist nichts Besonderes.

Eure Ausrüstung könnt ihr in den verschiedenen Läden des tokyoter Einkaufsviertels erstehen. In den vielen Gebieten des Bezirks regiert der SWAG. Je nach dem in welchen Läden ihr einkauft und die Kleidung tragt, bekommt ihr in bestimmten Zonen der Map zu den normalen Verbesserungen noch zusätzliche Buffs. Style ist hier alles. Also haltet eure Garderobe abwechslungsreich, um gegen alles gewappnet zu sein und in den Zonen eure Attribut-Boni zu kassieren. Ihr könnt nicht alle Klamotten sofort tragen. Für manche ausgefallenen Stücke braucht ihr mehr Mut, der steigert sich aber im Verlauf des Abenteuers und ihr könnt so eure Kleidung variieren. Leider sieht man die Kleidung nicht, wenn euer Charakter sie trägt. Gerade bei solch einem Feature wäre das normalerweise die logische Konsequenz...schade! 

Eine weitere Besonderheit des Spiels ist seine Steuerung. Ihr spielt wahlweise im Handheld-Mode mit dem Touchscreen oder im Dockt-Mode mit einem Joy-Con. Erstere Variante ist fast eins zu eins dem Original des Ninteno DS nachempfunden. Die zweite Steuerungsmöglichkeit erinnert an alte Wii-Tage und ihr lenkt das Geschehen mit einem Cursor auf dem Bildschirm. Beide Eingabemöglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile. Anders als im Original auf DS finden die Kämpfe logischerweise nur auf einem Bildschirm statt. Jetzt zu den angesprochenen Änderungen im Kampf. Auf dem DS habt ihr die lauten Finsterlinge auf zwei Ebenen bekämpfen müssen. Neku wurde mit dem Stylus und der Partner mit Eingaben durch das Steuerkreuz oder den Tasten gesteuert. Das Kampfsystem ist jetzt aufgrund nur eines Screens und zugunsten des Spielflusses stark vereinfacht worden. Die Neuerung sorgt für mehr Spaß, tut dem Spiel wirklich gut und verhindert das Übersichtsproblem der alten DS-Version.

Wenn ihr die Touch-Steuerung nutzt, werden die Aktionen in- und außerhalb des Kampfes durch tippen und wischen bestimmt und die Steuerung wirkt sehr direkt. Manchmal reagiert es leider nicht so wie es soll und einige Aktionen starten zeitverzögert. Im Kampf lasst ihr durch Wischen Flammen aus dem Boden züngeln, erzeugt Eiszapfen, drescht mit physischen Angriffen und werft mit Telekinese Schilder, Pylonen und sogar Autos auf  die stylische Gegnerschaft. Durch das Tippen auf die Gegner ruft ihr eure Begleiter auf den Screen und integriert dessen Angriffe in eure Combos. Erreicht ihr im Kampf 100% Synchronisation, erlaubt euch ein spezieller PIN eine derbe Spezialattacke auf den Screen zu zaubern. Je nach Begleiter absolviert ihr hierbei ein kleines Minispiel, um den Damage-Counter nach oben zu treiben.

Mit dem Joy-Con und der Cursor-Steuerung ist Nekus Einsatz auf dem TV-Bildschirm natürlich etwas distanzierter. Hier müsst ihr Aktionen auch mit den Tasten bestätigen und habt dadurch sogar haptisches Feedback. Der Joy-Con erlaubt eine erstaunlich gute Bedienung, trotzdem gelingt auch hier jede Aktion nicht immer wie gewünscht und ist etwas fummelig. Mit der Y-Taste könnt ihr den Cursor per Knopfdruck jederzeit neu kalibrieren, somit behaltet ihr die Kontrolle, wenn dieser mal nicht mehr optimal passt.

Neu ist, dass ihr im Dockt-Mode per Co-Op loslegen könnt. Den zweiten Joy-Con gezückt und los geht die Zweispieler-Session. Dann dürft ihr zusammen die NOISE vertrimmen, um Shibuya von den Reapern zu befreien.

Die Präsentation ist klasse. Niemand Geringeres als Final Fantasy-Illustrator Tetsuya Nomura ist für das Design des Spiels verantwortlich. Der Artstyle ist trotz des Alters der Software von elf Jahren immer noch zeitgemäß. Fein gezeichnete Sprites im stylisch dargestellten Gebäude-Jungle wirken immer noch frisch und frech. Die triballastigen Illustrationen der Gegner und bestimmter Psych-Angriffe im Game sind allgegenwärtig und machen den unverkennbaren Stil des Rollenspiels aus. Die Dialoge werden in tollen Artworks dargestellt und versprühen richtiges Manga-Flair. Ob auf dem Switch- oder dem TV-Display, das Spiel macht optisch eine gute Figur.

Jetzt zum absoluten Highlight dieses Spiels, dem Soundtrack. Der ist so abwechslungsreich und gut gemacht sodass er dadurch Seinesgleichen sucht. Die Tatsache, dass dieser schon auf dem DS komplett instrumental und mit Vocals zu hören war, zudem in den verschiedensten Musikrichtungen variiert, ist kaum zu glauben. Rock, J-Pop, Hip Hop und Techno donnern euch in höchster Qualität entgegen und untermalen die Szenerie immer passend. Die weit über 60 Tracks im Spiel wurden von Takeharu Ishimoto komponiert und produziert. Außerdem leiht die japanische Popsängerin Jyongri den Klängen ihre Stimme. Die Titel werden in Englisch sowie in Japanisch gesungen, was die Trackanzahl quasi verdoppelt. Die Musik des Spiels ist zwar Geschmackssache, zählt aber in meinen Augen zu den besten RPG-Soundtracks, die ich je gehört habe. Vor allem weil sie ihren Ursprung auf einem Handheld hatten.

Für Kenner des Originals gibt es noch ein zusätzliches Kapitel, damit auch für treue Fans ein Wiederspielwert entsteht. Ich werde hier nichts spoilern, aber mir hat es gefallen. Außerdem wurde das Spiel dieses Mal komplett übersetzt und ihr dürft den Text endlich auch auf Deutsch genießen.

Fazit: „The World Ends With You: Final Remix“ ist dank Politur sehr gut gealtert. Wegen des Artstyles, der feinen Musik und dem ungewöhnlichen Setting wirkt der Trip durch Shibuya immer noch frisch. Das Gameplay geht trotz gelegentlicher Ungenauigkeiten mit dem Touchscreen und Joy-Con gut von der Hand. Es macht Spaß mit den verschiedenen PINs zu experimentieren und die Gegnerschaft mit abwechslungsreichen Moves zu verkloppen. Die Neuerungen des Kampfsystem und der Co-Op-Mode tun dem Spiel richtig gut. Das und der neue Story-Content sollten auch für Kenner des DS-Moduls für neue Lust auf die Switch-Version sorgen.

Für die Touch-Steuerung empfehle ich einen Tablet-Pen, damit spielt sich die NOISE-Jagd richtig angenehm. Lediglich der hohe Preis von knapp 50€ sowohl für die Retail, als auch für den Download, ist echt heftig. Für ein elf Jahre altes Spiel so tief in die Tasche zu greifen zu müssen, ist meiner Ansicht nach echt dreist. Dennoch freue ich mich, dass der Titel neu aufgelegt worden ist und ich kann ihn jedem empfehlen, der auf das etwas andere Action-J-RPG mit abgedrehter und tiefgehender Story steht.

Wob wob ... wob my Nipponstyle…euer Tim aka Dr.Agon



Lade Informationen...
Informationen zum Spiel
Keine Spieleinformationen

Zufälliger Artikel:

E3 2018 News

0 Kommentar(e) auf "The World Ends With You: Final Remix"




Lasse einen Kommentar da

Dein Name
Deine Email
Dein Kommentar