IGI SWITCH


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Contra: Rogue Corps

Lesezeit etwa: 5 Minuten, 29 Sekunden

Eine der wenigen Überraschungen der diesjährigen E3 war für mich tatsächlich die Ankündigung eines neuen Contra Spiels. Contra. Gryzor. Probotector. Mit Freuden denke ich immer noch an schweißtreibende Schusswechsel mit wuseligen Aliens und fummeligen Hüpfpassagen samt coolem Kugel-Salto auf meinem Schneider CPC, dem NES, SNES und dem Mega Drive zurück.

Nach dem genialen und unverständlicherweise nie in Deutschland erschienenem Contra 4 auf dem Nintendo DS nun endlich wieder ein Lebenszeichen. Und was für eins. Beinahe zeitgleich mit dem Ankündigungstrailer rollte auch der Hate Train los und die User und Gamer dieser Welt zerrissen das Ding bereits im Voraus- wie man das halt heute so macht.
Nun liegt das Spiel in den stylishen Designer Büros des riesigen IGI Switch Produktionsanwesen vor und wir haben das Ding mal unter die Lupe genommen.

Story? Ihr kennt mich ja. Bei derartigen Spielen und Filmchen, in denen Fernsehtechniker hübsche Blondinen gerade vom Duschen abhalten, brauche ich eigentlich keine. Fairerweise muss man sagen, dass sich die Entwickler an den Serien Kanon gehalten haben und das Spiel Jahre nach den legendären Alien Wars (SNES) spielt. Eine abgefuckte Alien City manifestiert sich plötzlich auf der Welt und nur durchgeknallte Söldnerteams packen es da reinzugehen, ohne komplett durchzudrehen.

Hier kommt ihr ins Spiel. Als Teil des Rogue Corps dürft ihr als typischer Contra Söldner, als Pandabär, als Alien Braut oder als übergelaufener Alien in die Stadt, um dort alles zu Klump zu schießen.

Wer erst kürzlich das geniale Blazing Chrome verschlungen hat und sich auf die offizielle Rückkehr des Run´n Gun Gottes freut, muss jetzt sehr stark sein: Contra Rogue Corps spielt sich als größtenteils isometrischer Twin Stick Shooter und erinnert mich beim Spielen an meine damalige Zeit und die Menschen bei der Deutschen Post AG: Man latscht durch recht hässliche Bezirke und ebenso hässliche wie abgefuckte Mutanten wollen einem den Job versauen. Fehlen nur noch die Trinker, der Zustellwagen und die Nymphomaninnen. Ab und an wechselt die Perspektive und ihr ballert seitlich oder schaut eurem Söldner/ eurer Söldnerin über den Rücken. Flucht- und Schießbudensequenzen wie bei den 8Bit Contras lockern das Ganze dann ein bisschen auf.

Echt jetzt; wer mal in letzter Zeit derartige Indies aus dem Hause Housemarque gezockt hat, darf sich zurecht wundern, was da optisch geboten wird. Vielleicht hat sich Konami auch wieder ein paar junge Talente von der Uni geholt und ihnen gleich den Contra Job angeboten. Ihr Eltern da draußen kennt das ja: Euer Kind ist ja so ein verdammtes Talent in irgendwas und deshalb soll es die Welt da draußen auch erfahren; koste es was es wolle. Dumm nur- wie in diesem Fall- dass das Talent in keinerlei Weise durchscheint und dieses Kind eher noch bissl im Kinderzimmer mit dem Holzspielzeug gespielt hätte.

Sicher, die arschhässliche Grafik kann man annehmen und ab und an (Stichwort Riesenroboter) funkt ein Highlight auf. Was aber eher aufstößt, ist das recht fade Missionsdesign. So latscht ihr immer wieder in die recht unspektakulären Stages mit seltsamer Farbgebung und macht immer wieder halt, um in einem Arenakampf unzählige Gegner abzuballern. Nach dem Ende einer Stage bekommt ihr Geld und Items, mit denen ihr in der Contra HQ eure Wummen und eure Cyborgs modifizieren könnt. Nett gemeint; für mich aber in einem Contra Spiel total überflüssig.

Fassen wir also zusammen: Dröges Gameplay, hässliche Technik und aufgesetztes Loot Gegrinde: Contra Rogue Corps ist leider nicht das Spiel geworden, auf das wir uns alle gefreut haben. Jetzt kommts aber: Trotz den Mängeln schieße ich mich immer wieder dennoch durch n paar Stages. Sei es der lokale Couch Co Op oder einfach nur ein paar Runden unkompliziertes Ballern; in Zeiten wo gefühlt jedes zweite Spiel mit riesigen Open Worlds aufwartet, tut so ein kleiner (hässlicher) Actionhappen auch mal gut. Mit der Contra Serie ist halt heute nun bisschen so wie mit eurer letzten Nachtclub Eroberung: Es ist spät, alle sind besoffen und ihr nehmt halt das, was ihr bekommt. Sie ist hässlich wie die Nacht, hat Mauldampf ohne Ende und die Einzige, die übrig geblieben ist. Somit zuckt ihr halt mit den Achseln und habt ein bisschen Spaß.

Als Modulsammler schießt ihr euch das Ding irgendwann mal für n Zwanni- wer sich an die Zeiten von SNES und Mega Drive zurückerinnert, weiß, dass solche Spiele mal 30 Jahre später für Unsummen an die Hipster Sammler gehen. Ansonsten einen Sale abwarten und/ oder die Fortsetzung im Geiste- Blazing Chrome- zocken.

Hier noch die Meinung von meinem Söldner Buddy Tim:

Meine Meinung zu „Contra Rogue Corps.“ könnte zwiespältiger nicht sein. An diesen Titel bin ich völlig unvoreingenommen heran gegangen und hatte mich vorsichtig optimistisch sogar darauf gefreut. Aber Konami tut es schon wieder. Einem traditionellen Franchise wird ein neuer Anstrich verpasst und wir sollen es gut finden, dass sich der einstmals hervorragende Entwickler Konami herablässt, etwas völlig anderes zu veröffentlichen, als das was Fans sich wünschen.

Konami ist mittlerweile ein Schatten seiner selbst und das trifft leider auch auf jene Spiele zu, die das japanische Studio in den letzten Jahren verlassen haben. „Contra Rogue Corps.“ versucht nicht einmal ansatzweise in alte Fußstapfen zu treten. Als Co-Op-Loot-Shooter in der Iso-Sicht möchte man im Fahrwasser anderer Erfolge hier einen Stich landen. Doch der Stich geht ins eigene Fleisch. Mich stören weder die trashige Story, der plumpe Humor, die matschigen Texturen, noch habe ich etwas gegen die 80er-Neon-Attitüde. Prinzipiell fallen solche Games sogar in mein Beuteschema, da ich Freude an Machwerken mit schlechterer Qualität haben kann.

Viele Ansätze in „CRC“ könnten durchaus Spaß machen, wenn das Gameplay und die Balance vernünftig ausgearbeitet worden wären. „Aliennation“ (PS4) von Housemarque zeigt in allen Belangen wie ein Spiel in der Art auszusehen und zu funktionieren hat. Der Input Lag der Eingaben ist dermaßen heftig, dass sich alle Aktionen im Spiel träge und ungenau anfühlen. Fast eine halbe Sekunde vergeht, bis nach Tastendruck endlich mein Char auf dem Bildschirm reagiert. Und nein, das liegt nicht an meinem Screen. Die dämliche Gegner KI und das dröge Level-Design setzen für mich dem Fass dann endgültig die Krone auf. Lediglich der Soundtrack weckt Contra-Feeling, wenn hin und wieder geremixte Tracks vergangener Titel aus den Boxen dröhnen.

Würde das Spiel nicht „Contra“ Im Titel tragen würde sich wahrscheinlich kein Mensch dafür interessieren. Sollte Konami den Input Lag und die Gegner KI patchen, was bei einem Shoot‘em Up für den Spielspaß dringen nötig ist, werde ich dem Spiel vielleicht noch mal eine Chance geben. Schade Konami, es hätte auch gut sein können.

Consider yourself a hero...euer Tim aka Dr.Agon



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