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V-RALLY 4

  • By DADA
  • Veröffentlicht: 23.12.2018 17:38:11
  • 0 Kommentare

  • Zuletzt bearbeitet am: 29.12.2018 02:27:09 von KemosabeX
Lesezeit etwa: 5 Minuten, 28 Sekunden

V-RALLY 4

-Review-

Ich drücke das Gaspedal meines Lancia Stratos so heftig durch, dass ich fast Angst habe es durch den Boden zu drücken. Sand wirbelt auf und der Wagen braucht kurz, um Traktion zu bekommen. Es drückt mich in den Sitz als die italienische Bestie wie ein Puma nach vorne beschleunigt. Ich spüre den Puls, wie er gegen das Innere meines Schädels hämmert als ich mit halsbrecherischer Geschwindigkeit auf die letzte Kurve vor dem Ziel zurase. Die Welt um mich herum wird zu einem Tunnel aus Farben. Ich höre wie mein Co-Pilot die letzte Kurve ankündigt und bereite mich darauf vor den Wagen um die Haarnadelkurve zu steuern. Ruckartig ziehe ich an der Handbremse und lasse den Wagen um die Kurve fliegen. Der aufgewirbelte Schotter rasselt in den Radkästen und der Stratos ist für einen kurzen Augenblick fast stumm. Am Scheitelpunkt der Kurve drücke ich das Gaspedal durch und beschleunige aus der Kurve heraus. Der Stratos heult auf und ich höre Fehlzündungen so laut wie Pistolenschüsse.

Dann ist es geschafft und der Wagen ist im Ziel. Ich bremse ab und bringe das Fahrzeug zum stehen. Meine zitternden Hände lassen das Lenkrad los und ich atme zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit. Nur wenige Millisekunden trennen mich und meinen Konkurrenten. Diesmal habe ich ihn nicht geschlagen, aber das nächste Mal werde ich ihn endlich erwischen.

So, oder so ähnlich fühlte sich V-Rally 4 die meiste Zeit für mich an. Selten war ich so gebannt von einem Rennspiel und oft merkte ich erst nachdem das Fahrzeug im Ziel war wie verkrampft ich das Pad in meinen Händen hielt.

Ein Grund hierfür ist die bedingungslose Härte des Arcade Rally Spiels. Hier gibt es keine Rückspulfunktion wie in den Genrekollegen. Ein Fehler kann das Aus bedeuten. Auch die Gegner nehmen keine Rücksicht und sind selbst auf niedriger Schwierigkeit noch eine gute Herausforderung. Und dann ist da noch die serientypische Physik. Auch im vierten Teil der Serie, welche mittlerweile von einem anderen Team entwickelt wird, sind die Fahrzeuge also etwas leichter als bei der Konkurrenz. Das bedeutet das kleine Fahrfehler oft verheerende Auswirkungen haben können. Überschläge und spektakuläre Flüge über den Rand von Klippen und Bergen sind die Folge.

Doch dank der unglaublich guten Steuerung habt ihr jederzeit die Kontrolle über die lizensierten Wagen und bringt sie in allerlei Disziplinen ans Limit.

Von normalen Rally-Rennen über Bergrennen in denen ihr mit Pfeilschnellen und völlig überzüchteten Boliden enge Bergstraßen erklimmt, bis hin zu Buggy-Rennen und Extrem Kanha. Letztere sind gespickt mit Sprüngen und Steilkurven und wecken fast schon Trackmania Gefühle.

Doch abseits der Rennen gilt es auch euer Team zu managen und eure Fahrzeuge in Schuss zu halten. Dazu gehört auch ein Tuning-Feature und ein umfangreicher Editor, mit dem ihr die Boliden nach eurem Gusto designt.

Für mich hätten vor allem die Teamaspekte nicht sein müssen. Ich wollte einfach nur meine Rennen fahren und fand diese etwas störend. Zum Glück kosten sie euch nur wenig Zeit, aber um erfolgreich zu sein solltet ihr euch mit ihnen beschäftigen.

Also alles in Butter aber wer mich kennt weiß, dass ich bei der Technik meist viel zu meckern habe, doch tatsächlich kann ich bei V-Rally 4 Entwarnung geben. Zwar hat das Spiel ein paar Schönheitsfehler auf die ich gleich eingehen werde, aber grundsätzlich wurde hier hervorragende Arbeit geleistet.

Da es sich hierbei um einen Port eines PS4/ XboxOne handelt, mussten einige Abstriche gemacht werden, aber dennoch sieht das Spiel zum Teil fantastisch aus. Schlamm, Schnee oder Sand sind überzeugend umgesetzt und bleiben sogar an eurem Fahrzeug kleben. Auch die Wettereffekte wurden toll umgesetzt. Nebel hängt schwer über Wäldern und Regen zaubert wunderschöne Reflektionen auf den Asphalt und sorgt dafür, dass sich einige Strecken in eine wahre Schlammschlacht verwandeln. Immer wieder gibt es unzählige Details am Streckenrand zu entdecken. Von Tieren die über die Savanne rennen oder Zuschauer am Streckenrand. Manchmal donnern Jets über euch hinweg oder ein Zug rast an euch vorbei. So viele Details gibt’s in keinem anderen Switch Racer.

Auch die Fahrzeugmodelle sind überzeugend und strotzen vor kleinen Details. So glühen beispielsweise eure Bremsscheiben, wenn ihr sie überstrapaziert.

All das läuft dazu meist unglaublich flüssig über euren Schirm. Nur bei den Rally-Cross und Buggy-Rennen habe ich ein paar kleine Ruckler bemerkt die aber kaum stören. Außerdem machen sie nur einen sehr kleinen Teil der Gesamtrennen.

Doch all das kommt zu einem Preis. Und der zeigt sich in zwei Faktoren deutlich: 
Da wäre zum einen die Schattendarstellung und zum anderen die Auflösung.

Die Schatten sind das größte Manko von V-Rally 4. Zum einen sind diese recht grob aber das ist nicht das Kernproblem. Die Schatten bauen sich leider erst ein paar Meter vor eurem Fahrzeug auf. Das fällt mal mehr oder weniger auf ist aber jederzeit klar sichtbar. Vor allem auf den Bergstrecken kann das recht merkwürdige Formen annehmen. Schaut euch definitiv vor dem Kauf ein Video der Switch Version an und entscheidet selbst wie sehr euch das stört.

Die Auflösung ist definitiv unter 1080p. Ich bin jetzt kein Pixelzähler wie die Dudes bei Digital Foundry aber es fällt sofort auf, dass die Auflösung etwas niedrig ist. Auch im Handheld-Modus läuft das Spiel nicht in der nativen Auflösung der Switch und kann manchmal etwas grob wirken. Doch anders als bei vielen anderen Spielen, artet das nicht etwa in einem unscharfen Bild aus (als negativ Beispiel sei hie MXGP18 genannt), sondern zeigt sich eher in einem pixeligen Bild.

Trotzdem sieht das Spiel aber wie gesagt wirklich toll aus und ist mir Sicherheit das bisher schönste tragbare Rally Spiel.

Wie bei den meisten Rally Spielen gibt es keine Musik während der Rennen. Dies ist wahrscheinlich auch dem Fakt geschuldet, dass ihr euern Co-Piloten gut verstehen solltet. Dieser sagt euch nämlich alle Kurven und Schikanen an und ist ein wichtiger Teil des Spiels. Wer nicht auf ihn achtet, hat selbst beim mittleren Schwierigkeitsgrad keine Chance.

Als Musik-Ersatz gibt es aber eine großartige Soundkulisse. Die Motoren hören sich unglaublich druckvoll an und ihr nehmt unzählige kleine Details war. So hört ihr wirklich die aufgewirbelten Kieselsteine in euren Radkästen oder wie euch das Publikum zujubelt.   

Auch beim Umfang gibt’s nicht viel zu Meckern. Zwar hätte ich gerne noch ein paar mehr Strecken gesehen, vor allem fehlen mir ein paar typische Rally Locations wie etwas England, aber der Umfang passt. Durch die vielen verschiedenen Renntypen kommt auch die Abwechslung nicht zu kurz.

Abseits des Karriere Modus, könnt ihr jede Strecke als Einzelrennen spielen und könnt euch auch online an der echten Konkurrenz die Zähne ausbeißen.

Wie ihr hoffentlich herauslesen könnt, gefällt mir V-Rally 4 außergewöhnlich gut. Ich konnte das Spiel kaum aus den Händen legen und war schnell im „ein Rennen noch“-Modus gefangen. Auch optisch bekommen Switch Spieler endlich mal ein ordentliches (realistisches) Rennspiel das zwar wie so oft ein paar Macken hat, aber im Gesamteindruck mehr als überzeugen kann.

Somit setzt sich V-Rally mit weitem Abstand auf den Switch Rennspielthron und muss nur die Konkurrenz vom angekündigten „GRIP“ fürchten.

Ich wühle mich nun noch ein wenig durch den Schlamm, euer David Maihöfer aka DADA



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