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Snack World: Die Schatzjagd - Gold - XXL Review

  • By DrAgon
  • Veröffentlicht: 03.03.2020 20:17:21
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  • Zuletzt bearbeitet am: 03.03.2020 21:18:38 von DrAgon
Lesezeit etwa: 10 Minuten, 11 Sekunden

Loot is all about!

Level 5 ist für seine qualitativ hochwertigen Produkte bekannt. Mit „Snack World: Die Schatzjagd - Gold“ erreicht uns nun ein weiteres Stück Software aus der japanischen Firma. Ursprünglich erschien das Spiel in Japan exklusiv 2017 auf dem 3DS unter dem Namen „Snack World: Trejarers“. Ein Jahr später durften die japanischen Switch-Besitzer schon die „Schatzjagd Gold“ Version zocken. Seit Februar 2020 ist das Switch-Modul mit allen DLCs nun als lokalisierte Variante in den Westen gelangt. Ob der Sprung von Nintendos 3D-Ziegel auf den Hybriden geglückt ist, lasse ich euch in folgendem Review wissen.

Bei dieser IP handelt es sich um eine Versoftung der Manga- und Anime-Vorlagen der gleichnamigen Reihe. Zwei kurze Manga-Serien, in der ersten mit drei und der zweiten Publikation mit nur zwei Bänden, sind in Japan zwischen 2016 und 2018 in die dortigen Läden gelangt. Hierzulande dürft ihr euch ab 30.06.2020 die deutsche Printfassung gönnen. Zudem flimmerte in den Nippon-Landen eine Anime-Adaption mit 50 Folgen über die TVs. Cartoon Network hat mit einer englischen Synchro-Fassung dafür gesorgt, dass auch Anime-Freunde jenseits des Mt. Fujiyamas in den Genuss der Franchise kommen. Der Grundton der Marke ist eine ironische Parodie des RPG-Genres. Klischees werden klamaukig inszeniert und mit einer dicken Portion Humor garniert. Genau das Gleiche gilt auch für die Switch-Portierung von „Snack World“.

Euch erwartet hier ein Action-RPG mit Schwerpunkt auf Dungeon-Crawling und Looten. Ähnlich wie bei Genrekollege „Diablo“ ist das Einsacken von Gegenständen und Ausrüstung hier eure Hauptaufgabe. Die Präsentation ist im Vergleich zu Blizzard‘s dämonischer Hatz nach Ruhm und Reichtum deutlich fröhlicher umgesetzt.

Der Wortwitz versprüht im ersten Augenblick ein eher naives, kindliches Flair. Doch im weiteren Verlauf des Abenteuers kommen durchaus recht anzügliche Themen zur Sprache. Davon ist nichts dabei, was Kinderschützer alarmieren sollte, doch der eine oder andere unerwartete Kommentar der Figuren hat mich dennoch verblüfft. Der West-Release von „SW: DSJ-G“ ist ohnehin schon eine entschärfte Variante des Originals. Beispielweise sind die Klamotten einiger Figuren, ich nenn‘s mal, massentauglicher gemacht worden. Die Prinzessin des Königreichs trägt nun statt eines Bikini-Oberteils ein komplettes Top und die drei Jiins vom anderen Ufer kommen in unseren Breitengraden ohne ihre Sadomaso-Kluften aus. Weitere Änderungen sind mir nicht aufgefallen.

Zu Beginn des Spiels bastelt ihr euch in einem Editor euren Helden selbst. Die Möglichkeiten sind üppig, ein paar Gesichter und Frisuren mehr hätten in meinen Augen trotzdem nicht geschadet. Ansonsten dürft ihr Geschlecht, Körpermaße, Hautfarbe, Stimmen und so weiter bearbeiten. Wer „Fantasy Life“ auf dem 3DS gespielt hat, dem wird hier einiges bekannt vorkommen. Prinzipiell könnte man „Snack World“ als Fortsetzung im Geiste betrachten, da einige Mechaniken des Spiels stark an Level 5‘s „Animal Crossing“-Klon erinnern. Doch dazu später mehr.

Habt ihr euren Protagonisten im Labor gezüchtet, wird dieser bewusstlos und ohne Gedächtnis vor den Toren des „Königreichs Croquetta“ gefunden. Kaum habt ihr euch halbwegs erholt, zitiert euch der König zu sich. Der gutherzige Herrscher freut sich, dass es euch gut geht und hat prompt den ersten Auftrag für euch. Da er seiner verzogenen Tochter „Prinzessin Melonia“ keinen Wunsch abschlagen kann, verschlägt es euch auf die Suche nach dem Purpurauge, einem Kristall, welcher sich im Besitz von Medusa befindet. Bevor ihr auf die Jagd nach dem seltenen Mineral geht, bekommt ihr eine Ausbildung von „Feldwebel Aschenputtel“. Das schüchterne Mädchen, welches ihr zu Beginn des Spiels schon einmal gesehen habt, ist der krasseste Motherfucker des Reiches und bildet sämtliche Soldaten für die Armee aus. Nach den kurzen aber gut gemachten Turtorial-Missionen, in denen ihr einzelne Gebiete, Mechaniken und weitere Figuren kennen lernt, geht‘s erst Richtung Dungeon.

Die Gebiete sind in zwei Kategorien einzuordnen, handgemachte Areale und zufallsgenerierte Verliese. Erstere sind am Anfang des Spiels größentechnisch recht überschaubar, später ändert sich das natürlich. In den Verliesen erwartet euch ähnlich wie bei „Diablo“ und Co. eine unerforschte Karte, welche von euch erkundet werden will. Da hier ein Prozedural-Seed greift, spielt ihr nie zwei mal den selben Dungeon. Die Schlupfwinkel der Boss-Gegner sind mit Fallen, Truhen und verschiedenen Schalter-Mechanismen gespickt. Von runter fallenden Putzeimern, welche euch rumschliddern lassen, über Furzwolken, bei dem allen Gruppenmitgliedern schlecht wird, bis hin zur Klatsche, die euch den erkundeten Weg vergessen lässt, ist hier viel „nerviger“ Kram dabei. Naja, die Fallen sollen euch ja auch auf den Keks gehen. Ansonsten könnt ihr in den Verliesen massig Gegner plätten und Schätze finden. Lasst ihr euch in den Missionen zu lange Zeit, taucht das „Sensenmännchen“ auf und jagt euch durch die Gebiete. Erwischt er euch, war‘s das, und ihr dürft die Quest von vorne beginnen. „Snack World“ ist mit zig Mechaniken und Ressourcen-Management gespickt, deshalb versuche ich euch das im Einzelnen zu erklären, ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen. Das würde hier den Rahmen sprengen.

Wie vorhin erwähnt, erinnert in Level 5‘s „neuer“ Veröffentlichung einiges stark an „Fantasy Life“. Das beginnt schon beim Look, aber zuerst kommen wir zu dem System selbst. Nachdem ihr die Medusa besiegt habt, seid ihr weitestgehend frei und könnt alles beliebig erkunden. Die Stadt „Croquetta“ bildet hier den Kern. Von hier aus startet ihr sämtliche Quests. Um diverse Dinge überhaupt erst machen zu dürfen, benötigt ihr sogenannte „Lizenzen“. Jene bekommt ihr automatisch im Verlauf des Spiels und diese erlauben euch, in Läden einzukaufen, Gebiete zu erkunden, online miteinander zu spielen und vieles mehr.

Die Quests sind in zwei Gruppen aufgegliedert, „Storyquests“ und „Nebenquests“. Nur Zweitere können ab einem bestimmten Punkt im Spiel online zusammen gezockt werden, die Hauptgeschichte jedoch nicht. Da sich auf eurer Kampagne immer wieder neue Figuren in eure Party gesellen, ist das zwar nachvollziehbar, schade finde ich es trotzdem, da so eine Menge Multiplayer-Potential auf der Strecke bleibt. Im Laufe der Story schaltet ihr jedoch immer mehr Nebenaufgaben frei, die fürs Online-Play gemacht sind. Die Verbindung war bei mir weitestgehend stabil. Hin und wieder gerät das Spiel dabei ins Stocken, aber das sind wir auf der Switch online schon gewöhnt.

Egal ob Story- oder Nebenquest, es geht primär ums Einsacken von Gegenständen. Jede Mission hat einen „Hauptpreis“. Schließt ihr die Aufgaben unter bestimmten Kriterien ab, steigen eure Chancen, diesen auch zu ergattern. Verzichtet auf Heiltränke, teilt am meisten Schaden aus oder geht nicht K.O. sind einige der Bewertungen, die euch am Ende der Quest mit verschiedenen Truhen unterschiedlicher Wertstufen belohnen. Die Ausrüstungen haben auch zufällige Perks, die euch gewisse Boni für Kampf, Aufstieg, Verteidigung und mehr gewähren. Das sorgt für eine gewisse Diversität, erreicht jedoch nicht ansatzweise die Tiefe eines Diablos. Sicher ist es nicht, dass ihr den ersehnten Loot auch gleich beim ersten Versuch bekommt. Um bestimmte Gegenstände zu farmen, habe ich einige Mission mehrmals wiederholt. Ihr sammelt haufenweise Kram ein, den ihr zum Craften braucht. Ihr müsst schon eine gewisse Stoik mitbringen, um die vielen repetitiven Aufgaben immer wieder anzupacken. Wer aber, wie ich, dem Loot-Virus verfallen ist und auch bei Diablo und Co. die immer gleichen Dinge tun kann, um Gegenstand XY zu ergattern, der ist hier an der richtigen Adresse.

Die Herstellung von Gegenständen ist enorm wichtig. Ihr bastelt Waffen, Kleidung und Ausrüstung selbst. Klar, ihr findet auch viel davon und könnt manches in den Läden kaufen. Aber wer ein erfolgreicher Held sein will, baut sich seinen Kram selber. Alle Waffen und Klamotten können verstärkt werden. Weshalb ihr Eure Waffen, im Spiel genannt „Jaras“, wie Schwerter, Äxte, Speere, Zauberstäbe und Schilde verstärken müsst, ist für RPG-Spieler kein Geheimnis. Die Rüstungen erfüllen neben dem Schutz noch einen anderen Zweck, ihr müsst „trendie“ sein. Jeden Tag ändert sich der Trend in „Croquetta“. Marke, Farbe und Stil eures Dresses entscheidet, wie viel Glück ihr auf eurer Schatzjagd habt. Jeder der drei Kategorien kann mit drei Sternen pro Kleidungsstück passend sein. Im besten Fall habt ihr neun Sterne und das pusht eure Droprate auf Seltenes. Damit ihr durch den stetigen Wechsel der Outfits eure Rüstungswerte nicht gefährdet, dürft ihr diese in zwei unterschiedlichen Slot-Reihen platzieren. Eine ist nur für den Rüstwert gedacht, die andere dient allein der Optik. Somit könnt ihr im Trend bleiben, ohne die Stärke eurer Figur zu riskieren. Diesen Ansatz halte ich für eine gute Lösung. Je mehr ihr eure Ausrüstungen stärkt, desto besser könnt ihr euch nach und nach den Trends anpassen. Der Subtext, der hier mitschwingt, ist ein wenig bedenklich. Wer mit der Masse konform geht, wird richtig gut belohnt.

Das Kämpfen selbst funktioniert gut. Euch stehen Hieb-, Schlag-, Zauber- und Stichwaffen zur Verfügung. Mit dem Schild könnt ihr Angriffe abblocken, wenn ihr nicht gerade die Zweihand-Axt ausgerüstet habt. Die Angriffe der Waffe unterscheiden sich in Schnelligkeit und Härte. Ein Speer macht schneller, dafür weniger Schaden. Ein Hammer hingegen ist langsam, dafür aber kraftvoll. Euch steht noch eine Ausweichrolle zur Verfügung, die in brenzligen Situationen Gold wert ist. Alles in allem haben wir hier ein solides Kampfsystem, welches gut funktioniert, aber in keinster Weise innovativ ist.

So, ihr denkt das wars? Nix da, jetzt kommen wir zum Snack-System. Recht früh im Spiel bekommt ihr die Lizenz um „Snacks“, also besiegte Gegner, in eure Gruppe aufzunehmen. Von den Gegnertypen gibt es eine Menge. Um die Feindesschar rekrutieren zu können, müsst ihr die Vertrautheit zu den einzelnen Wesen verbessern. Das macht ihr, indem ihr sie einfach haufenweise platt macht oder mit diversen Lollies die Werte hierfür steigert. Wenn der besiegte Gegner vor euch liegen bleibt, könnt ihr diese in einem kleinen Minispiel eurer Sammlung einverleiben. Mit eurem Smartphone dem „Pix-e Pod“ macht ihr einen Schnappschuss davon und los geht das Pokémon-Feeling. Sogar starke Widersacher wie das „Sensenmännchen“ oder Hauptfiguren, die ihr im Spiel trefft, können zu eurer Gefolgschaft gehören. Setzt ihr die Mitstreiter als „Gruppensnacks“ ein, laufen diese mit euch in der Gruppe mit. Dabei attackieren sie Feinde, unterstützen euch mit Zaubern, etc. Solltet ihr die Wahl treffen, sie als „Taschensnacks“ mitzunehmen, dann dürft ihr euch sogar in die jeweiligen Snack verwandeln und mit deren Fähigkeiten begrenzte Zeit agieren. Bis zu drei „Gruppensnacks“ und sechs „Taschensnacks“ dürft ihr im Laufe des Games mit zum Looten nehmen. Je länger ihr die einzelnen Kreaturen dabei habt, desto stärker werden die Bande zwischen euch. Je höher dieser Wert steigt, umso stärker sind die Helferchen an eurer Seite.

Die wichtigsten Systeme hätten wir somit genannt. Vieles davon geht noch ordentlich in die Tiefe und verspricht einiges an Zeit zu fressen. Doch bevor ich zum Fazit komme, möchte ich natürlich noch auf die Präsentation und Technik eingehen. „Snack World: DSJ-G“ kann seine Herkunft nicht leugnen. Trotz des bunten Settings, den sympathischen Figuren und der guten Lokalisation haben wir hier ein drei Jahre altes 3DS-Spiel vor uns. Während die Grafik im Handheld-Modus noch richtig sauber wirkt, kommt im Dockt-Mode die ungeschönte Wahrheit ans Licht. Die grobkantigen Umgebungen, platte Texturen und simple Beleuchtungstricks sind einfach nie für einen TV-Screen gedacht gewesen. Alles ist zwar auf HD glatt gebügelt, doch viel von dem Charme geht nicht zuletzt wegen dem fehlenden 3D-Effekt der Ursprungsversion flöten.

Die Lokalisation ist superbe Arbeit. Stellenweise zu gut und dann wieder doch nicht. Alle Texte sind hervorragend ins Deutsche übersetzt. Der Witz geht nicht verloren und alles wirkt enorm stimmig. Die Vertonung hingegen fängt nach einiger Zeit an, am Nervenkostüm zu zehren. Alle wichtigen Figuren im Spiel, ob Gegner oder nicht, haben einige Sprachsamples spendiert bekommen, die den Gemütszustand beschreiben oder Aktionen wie Angriffe ankündigen. In Dialogen sorgt genau dieses Feature für Verwirrung, da Gesagtes nur indirekt zum Gelesenen passt. Mir ist klar, dass man hier die Figuren lebendiger gestalten möchte, doch diese Art der Synchronisation ist eher suboptimal. Das zweite Problem mit der Vertonung, betrifft die Quests selbst. Wer das tausendste Mal „Servus, i bin‘s, a Pilz“ oder „Ich bin wohl doch kein Löwenherz“ bei Angriffen und dem Ableben der Feinde hört, der kann sich dadurch fix genervt fühlen. Ich persönlich überhöre das mittlerweile, da ich durch drei Teile „Xenoblade Chronicles“ eine gewisse Immunität gegen solch eine Kakophonie des Grauens entwickelt habe. Ob ihr dazu in der Lage seid, müsst ihr natürlich selbst entscheiden.

Tja, und technisch? Man könnte meinen, dass ein Spiel vom 3DS tadellos auf dem Hybriden funktionieren sollte. Vor allem wenn wir Spiele wie „The Witcher 3“, „Doom (2016)“, oder „Alien Isolation“ auf Nintendos Daddelkiste zu sehen bekommen. „Snack World“ peilt meist 60 FPS an, leider schafft es das nicht immer. Gerade in der Hub-City „Croquetta“ gerät die Bildrate erheblich ins Stocken. Kleinere Areale, Dungeons und Innenräume bleiben davon glücklicherweise weitestgehend verschont. Schade find ich es dennoch, da wenigstens eine saubere Bildrate dem etwas kargen Look eine starke Aufwertung verpasst hätte. Vielleicht kommt ja noch ein Patch. Weil „Snack World“ in Japan schon seit zwei Jahren zu haben ist, schmälert das meine Hoffnung darauf sehr.

Fazit:
Auf den ersten Blick könnte man Level 5‘s Dungeon-Hatz als „Babies erstes Diablo“ abtun. Doch das tiefe Farm- und Crafting-System, vereint mit der Snack-Jagd, laden zu stundenlangen Looten ein. Die Kämpfe sind gut, aber nichts Besonderes, machen aber genug Spaß, um am Ball zu bleiben. Wer über die Technikpatzer und die 3DS-Optik hinweg sehen kann, bekommt im Gegenzug ein Spiel voller sympathischer Figuren, witziger Dialoge und Parodien auf das RPG-Genre geboten.

Für knapp 50€ dürft ihr euch „Snack World: Die Schatzjag - Gold“ im Eshop saugen oder ersteht die physischer Version zwischen 50 und 60€ beim Händler eures Vertrauens.

Looten und Leveln, das muss... euer Tim aka Dr.Agon



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