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Eternal Darkness: Sanity´s Requiem - Igi des Monats

  • By DekuManX
  • Veröffentlicht: 28.06.2019 17:40:50
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  • Zuletzt bearbeitet am: 28.06.2019 18:03:27 von DrAgon
Lesezeit etwa: 7 Minuten, 45 Sekunden

Wir schreiben das Jahr 2002, die „Game Cube“ ist noch ganz frisch und mein 20-Jähriges ich konnte es kaum erwarten den neuen heißen Scheiß zu verschlingen. Ich hatte schon in einigen Fachmagazinen gelesen das Nintendo gemeinsam mit „Silicon Knights“ ein neues Horror-Game machen wird. Was, ein Horror-Spiel von Nintendo? Aber hallo, und was für eins! Das Jahr ging zu Ende und da war es auf einmal. Schon beim Starten des Spiels merkt man das es nicht mit rechten Dingen zugeht. Ein blaues Nintendo Logo gefolgt von einer tiefen Stimme die den Firmennamen ausspricht… OK?! Der ganze Unterton des verstörenden Intros vermittelt schon eine schaurig schöne Atmosphäre. Doch was mich hier erwartete sollte mich noch für viele Jahre prägen.

Beim Starten hört ihr erstmal die Stimme des bereits verstorbenen Dr. Edward Rovias der euch eine unheilvolle Einleitung zu den kommenden Ereignissen gibt. Die Menschheit steht am Rande der Auslöschung und das seine Enkeltochter, die Letzte ist die das noch zu verhindern vermag. Ihr beginnt das Spiel demnach mit Alexandra Roivas, kurz Alex. Die in einer Traumsequenz gegen seltsame untote Kreaturen kämpft und abschließend erscheint ihr Edwards Geist. Als sie plötzlich durch das Klingeln ihres Telefons aus ihrem Alptraum gerissen wird. Ein Polizist informiert sie über den Mord an ihrem Großvater, Alex nimmt sofort den nächsten Flug zu dessen Villa auf Rhode Island. Hier hat sie als Kind viel Zeit verbracht und möchte zugleich herausfinden, was mit ihrem Opa passiert ist. Dabei findet sie in einem Geheimraum das „Tome of Eternal Darkness“. In diesem in Menschenhaut gebundenen Buch wird die Geschichte vieler verschiedener Personen zusammen getragen, die seit über 2000 Jahren einen Kampf gegen einen alten Gott führen.

Beim Lesen des „Eternal Darkness“ taucht Alex in die Vergangenheit ein und erlebt die Geschichte ihrer Vorgänger. So offenbart sich ihr das Schicksal der elf Protagonisten, die vor ihr mit dem Buch zu tun hatten. Als Erstes spielt ihr die Story von Centurio Pius Augustus im Jahre 26 v. Chr. nach. Der gerade mit seinen Truppen durch Persien zieht. Plötzlich erklingt eine Stimme in seinem Kopf, die ihn zu einem Portal aus Obelisken führt, die ihm wiederum Zugang zu einer unterirdischen Tempelanlage verschafft. Nachdem er sich zum Kern der Anlage durchgeschlagen hat, findet er drei Podeste, die den Gottheiten „Chattur'gha“, „Ulyaoth“ und „Xel'lotath“ repräsentieren. Nachdem er mit einem davon in Berührung kommt, wird er von einem Strahl getroffen und zu einem „Lich“ (Untoten) gemacht. Der allerdings über große Macht und Weisheit besitzt. Er ist auch derjenige der das „Eternal Darnkess“ geschaffen hat, um seine Nachfolger zu führen.

Nachdem erlebt ihr die Geschichte von zehn weiteren Charakteren aus den unterschiedlichsten Schichten und Epochen.
-Da hätten wir die junge Ellia aus dem Volk der Khmer (1150 n. Chr.).
-Anthony ein Franke, der im Auftrag von Karl dem Großen unterwegs ist (814 n. Chr.).
- Karim ein persischer Schwertkämpfer auf der Suche nach einem Schatz, um das Herz seiner angebeteten zu gewinnen (565 n. Chr.).
-Dr. Maximilian Roivas, dieser Arzt ist Alexs Vorfahre und dessen Vater hat die besagte Villa erbaut (1760 n. Chr.).
-Dr. Edwin Lindsey, ein Archäologe der die Ruinen von Angkor Thom erforscht (1983 n. Chr.).
-Paul Luther, der Franziskaner stellt Nachforschungen in der Kathedrale in Amiens an (1485 n. Chr.).
-Roberto Bianchi ein venezianischen Architekt, wurde beauftragt die Ruinen der Verbotenen Stadt zu untersuchen (1460 n. Chr.).
- Peter Jacob, ein Journalist im Ersten Weltkrieg (1916 n. Chr.).
- Dr. Edward Roivas, der Psychologe lebt in der Villa seiner Vorfahren und ergründete die mysteriösen Vorfälle (1952 n. Chr.).
­- Michael Edwards, der kanadische Feuerwehrmann gelangt zufällig während eines Einsatzes in die Ruinen der verbotenen Stadt (1991 n. Chr.).
Zwischen den Episoden seid ihr immer wieder mit Alex unterwegs. Mit ihr erkundet ihr das Anwesen und findet dabei immer weitere Seiten des Buches.

Eines der besonderen Features des Spiels ist das „Sanity-System“, das euren geistigen Zustand in Form einer Leiste darstellt. Durch eure Begegnungen mit den verschiedenen Kreaturen des Spiels, nimmt diese ab und euer Verstand fängt an euch auf die unterschiedlichste Art streiche zu spielen. Blut fängt an von der Decke zu tropfen, Schreie gequälter Seelen ertönen oder eurem Charakter fliegt einfach mal der Kopf ab. Zu meinen Highlights gehören die „Vierte Wand“-Schocks. Zum Beispiel, wenn auf einmal ein Lautstärkeregler erscheint und er langsam nach unten fährt oder ihr Speichert gerade auf einmal steht dran das eure Komplette Memory Card formatiert wurde. Da überspringt euer Herz schon mal einen Takt. Ihr nehmt aber selbst nie wirklich Schaden, da es sich nur um Halluzinationen handelt. Durch Erledigen der Gegner könnt ihr die Leiste auch langsam wieder auffüllen.
 
Im Verlauf des Spiels findet ihr auch verschieden Runen, wenn ihr diese richtig Kombiniert könnt ihr besonders hilfreiche und mächtige Zaubersprüche wirken. Wie in etwa Lebensenergie wiederherstellen oder einen Schutzwall errichten bis hin zur Kreaturen Beschwörung.

Die Musik und Geräuschkulisse sind ebenfalls sehr gut abgemischt und werden hervorragend an den richtigen stellen eingesetzt. Für die atmosphärischen Klänge zeichnet sich Steve Henifin verantwortlich, der von „Aladdin“ (Mega Drive) bis hin zu „Metal Gear Solid V“ schon einiges im Portfolio vorzuweisen hat. Sowie auch die englischen Synchronsprecher sind für die damalige Zeit gut gecastet und vertonen die entsprechenden Charaktere überzeugend.

Fazit: Ich liebe „Eternal Darkness“. Nach „Silent Hill“ und „Dead Space“ wohl mein liebstes Horror-Game. Selten haben mich die Story und die Gameplay-Mechanik dahinter so beeindruckt. Ebenso dafür verantwortlich, dass das Genre bei mir so einen hohen Stellenwert genießt. Das „Sanity“-Feature ist ein Geniestreich, wodurch man nie weiß was als nächstes passiert und ob es den auch real ist. Noch dazu hat es kein anderes Game bis heute geschafft dieses oder ein ähnliches Feature so akkurat darzustellen und euch den Wahnsinn derart gut zu vermitteln. Das mag aber mitunter daran liegen das Nintendo das Patent an dem einzigartigen „Sanity Meter“ hat. Die Anlehnung an Poe und Lovecraft sind unverkennbar und steuern viel zur unglaublich dichten Atmosphäre bei. Das „Silicon Knights“ einnehmende Spiele machen kann, wusste ich schon seit dem ersten „Legacy of Kain“. Was sie allerdings hier abgeliefert haben, sprengt jede Vorstellung.

Umso bedauerlicher find ich es, dass es bis heute noch keinen legitimen Port, Remake oder gar eine Fortsetzung zu diesem Kultklassiker gibt. Denn obwohl es von Kritikern hochgelobt und allgemein gute Wertungen abräumte, blieben die Verkaufszahlen leider hinter den Erwartungen zurück. Wenn ihr „Eternal Darkness“ zocken wollt bleibt euch daher nur die „Game Cube“-Fassung, die aber zum Glück noch recht erschwinglich ist. Der Director Denis Dyack hat im Mai 2013 über Kickstarter die arbeiten an einem Nachfolger bekannt gegeben. „Shadows oft the Eternals“ soll die lang erwartete Fortsetzung heißen und ebenfalls mehrere spielbare Charaktere bieten. Diese Sollte für WiiU und PC herauskommen und es gibt auch bereits einen neun Minütigen Gameplay-Trailer der den Charme des Vorgängers schon sehr gut rüberbringt. Leider gab es viel hin und her, bis man schließlich im Januar 2018 offenbarte, dass die Entwicklung fürs Erste auf Eis gelegt wurde, schade. Wir können nur hoffen, dass eines Tages jemand die nötigen Hebel für eine Fortsetzung in Bewegung setzt. Ich würde jedenfalls ein Fass vor Freude aufmachen.

„Tief in die Dunkelheit spähend, lange stand ich dort, wundernd…fürchtend…zweifelnd…“ E.A. Poe
Euer Diego Battaglia aka Deku Man X

Unser Dada hat sich auch dem Wahsinn hingegeben, lest hier über seine begegnung mit Dunkelheit:

Ich bin Eternal Darkness unglaublich dankbar. Zum einen ist es nun seit vielen Jahren mein absolutes Lieblingsspiel, zum anderen hat es mich zum Fan von Howard Phillips Lovecraft gemacht. Eternal Darkness hat dazu geführt, dass ich jedes Wort des Schriftstellers aus Providence in mich aufgesogen habe. Und obwohl sich Eternal Darkness sich nicht direkt am Werk des Meisters bedient, ist es doch mein liebstes Spiel, wenn es um „Lovecraftian Horror“ geht.

Das liegt vor allem daran, dass Eternal Darkness es wunderbar schafft den kosmischen Horror zu transportieren und Lovecraft Fans mit unzähligen kleinen Easter Eggs bombardiert. Das fängt schon mit dem Inspektor an, der unserer Protagonistin vom Tod ihres Großvaters übermittelt. Inspektor Legrasse dürfte Lovecraft Fans zum Beispiel aus „The Call of Cthulhu“ bekannt sein. Apropos Protagonistin, auch das war ein unglaublich großartiges Feature von Eternal Darkness. Das Spiel beschränkte seinen Horror nicht nur auf eine Person, sondern lässt uns den Wahnsinn durch mehrere Augen in verschiedenen Epochen sehen.

Das sorgt nicht nur für viel Abwechslung, sondern führt dazu, dass der Horror noch eine größere Wirkung entfalten kann. Der Handlungsbogen erstreckt sich hierbei von 26.v. Chr bis ins Jahr 2000 und lässt die meisten Protagonisten entweder tot oder schlimmer, völlig dem Wahnsinn verfallen zurück. Der Wahnsinn spielt natürlich eine große Rolle im Spiel und ist tief in seiner Spielmechanik verwurzelt. Wer nicht mit Bedacht durch die dunklen Korridore schreitet, dem spielt der Wahnsinn schnell erste Streiche. Dabei zieht das Spiel alle Register und durchbricht dabei auch gerne die vierte Wand. Das kann schon mal zu kleineren Panikattacken führen und war für mich damals einfach unglaublich krass.

Untermalt wurde das Ganze mit einem dichten Soundteppich der weniger auf Schockmomente als auf Atmosphäre setzt und einem herausragend guten Soundtrack. Auch die Sprecher brillieren, hier sticht vor allem Richard Doyle heraus der Pious Augustus spricht und den Metal Gear Fans als Big Boss aus Metal Gear Solid 4 kennen dürften. (Fun Fakt: Pious Augustus taucht als Poster in Metal Gear Solid „The Twin Snakes auf“).

Der einzige Schwachpunkt für mich war damals die Optik. Versteht mich nicht falsch, Eternal Darkness ist auch hier unglaublich atmosphärisch und glänzt mit wirklich abgefahrenen Effekten, aber dennoch wirkte das ganze dezent altbacken auf mich. Gerade die Gesichter der Charaktere und deren Animationen hätten noch ein wenig feinschliff vertragen können.
Trotzdem trägt das Spiel den Ruf des Klassikers völlig zurecht und ist ein Juwel der GameCube Bibliothek.

Schade, dass aus dem spirituellen Nachfolger „Shadow of the Eternals“ nichts wurde. Aber ich hätte Denis Dyack auch keinen Cent meines Geldes anvertraut. Nun liegt es an Nintendo was mit der Marke zu machen, aber ich wage zu bezweifeln, dass wir jemals in den Genuss einer Fortsetzung kommen. Schade, denn der Lovecraft-Horror erlebt ja gerade wieder einen ziemlichen Boom in der Videospielszene. Bald dürfen sich Switch Spieler ja zumindest an „Call of Cthulhu“ und „The Sinking City“ wagen.

Es grüßt euch aus dem Exil, euer David Maihöfer aka DADA



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