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Dezatopia - Bizarre Kreation!

Lesezeit etwa: 6 Minuten, 2 Sekunden

„Hanaji Games“? Klingelt da was? Nein? Das könnte sich bald ändern, da das kleine Indie-Team, welches 2015 in Tokyo gegründet worden ist, mit „Dezatopia“ ein total verrücktes Shoot‘em-Up-Konzept abliefert. Als Fan des Genres habe ich das Glück, hier etwas völlig Abgedrehtes zu testen, was die Meinungen wohl in völlig unterschiedliche Richtungen treiben wird, so auch bei mir!

„Es gibt Erlebnisse, über die zu sprechen die meisten Menschen sich scheuen, weil sie nicht in die Alltagswirklichkeit passen und sich einer verstandesmäßigen Erklärung entziehen.“ (Zitat Dr. Albert Hoffman.)
Ähnliches trifft auch auf die visuelle und spielerische Gestaltung von „Dezatopia“ zu.

Zunächst zum offensichtlichsten Merkmal des Games, dem total bizarren Grafikstil. Auf den ersten Blick würdet ihr wohl vermuten, hier ist irgend ein Praktikant im LSD-Wahn mit „My first Pixel-Tool“ am Werk gewesen, um dem Spiel seinen visuellen Touch zu verleihen. Doch dem ist nicht so. Vielmehr schlagen die Entwickler mit ihrer Kreation in die Kerbe von obskuren Shootern wie „Cho Anniki“ oder „Black Bird“. Gringige Pixelsprites mit abstrusem Design und seltsamen Artworks treffen wirklich nicht jeden Geschmack und werden vermutlich Fans traditioneller Genrekost eher abschrecken. Optik ist dennoch nicht alles, was zählt, und das stellt „Dezatopia“ recht eindrucksvoll unter Beweis.

Ähnlich bekloppt, wie der visuelle Teil des Spiels, ist auch die Geschichte des Ballerspaßes selbst. Seltsame und ungewöhnliche Wesen bevölkern den Untergrund der Erde und sind der Menschheit völlig unbekannt. Das Fashion süchtige Schulmädchen „Momoko“ entdeckt diese Spezies zufällig. Zusammen mit der Untergrundbevölkerung beschließt „Momoko“ beide Zivilisationen auf der Oberfläche miteinander zu vereinen, und eine neue Welt zu erschaffen: „Dezatopia“. So weit so ...was zum???

Ihr spielt „Akane“ und „Aoba“, zwei Schulfreunde von „Momoko“ und helft, eine subterrane Brücke zwischen den Welten zu errichten. Schnell merken die Beiden, dass hierbei mehr als nur ein friedlicher Grundgedanke im Spiel ist und stellen sich gegen ihre Klassenkameradin. Um Momokos Plan zur Übernahme durch fremde Wesen zu vereiteln, steht euch das Arbeitsschiff „Speleological Fighter Pink Aurora“ mit seiner ungewöhnlichen Ausrüstung zur Verfügung.

Bei „Dezatopia“ handelt es sich um ein horizontales multidirektionales Shmup. Das heißt, jede Stage hat verschiedene Side-Scrolling- und Angriffsrichtungen. Zudem kommen die Feinde von allen Seiten, um euch mit typischen Bullethell-Projektil-Patterns das Leben schwer zu machen. Die „Pink Aurora“ besitzt vier unterschiedliche Waffensysteme, die es zu kombinieren gilt, um euch gegen die Massen an Gegnern zu verteidigen. Ein Laser nach vorne, welcher sich nach oben oder unten verbiegt, wenn man in die entgegengesetzte Richtung fliegt. Am Heck befindet sich ein Drill mit grünem Fächerschuss, der ebenfalls einen flexiblen Angelpunkt zur größeren Angriffsbreite bietet. Auf dem Dach des Gleiters ist eine Art Mörser montiert, um mehrere Geschosse im Bogen voraus zu schießen. Damit könnt ihr feindliche Projektile canceln. An der Unterseite des futuristischen Fluggeräts ist eine Wasserkanone angebracht, die Streuschüsse nach unten erlaubt.

Alle Angriffe eures Schiffes können per Tastendruck in den Dauerfeuermodus versetzt werden. Das ist hilfreich, um nicht permanent alle Buttons auf dem Pad gleichzeitig drücken zu müssen, wenn euch viel Gegneraufkommen in Schach hält. Der Nachteil daran ist, dass euer Schiff mit jeder aktivierten Autofeuerwaffe langsamer wird und sich dadurch das Ausweichen natürlich schwieriger gestaltet. Jede der vier Waffen besitzt eine eigne Energieanzeige, die in Form eines bunten Kreuzsymbols im unteren linken Bildschirm angezeigt wird. Ist die Energie voll, wird der erste Schuss jeder Waffe eine enorme Kraft entfachen. Sobald ihr die Ballermänner aktiviert, entlädt sich die gespeicherte Energie sofort und regeneriert sich erst wieder, sobald ihr den Autofeuermodus wieder deaktiviert. Nach einiger Eingewöhnung ergeben sich hier viele taktische Möglichkeiten, um die jeweiligen Levels zu beenden.

Power Ups dürfen ja in solch einem Spektakel nicht fehlen. Deshalb bekommt ihr diese ebenfalls in recht ungewöhnlicher Form spendiert. Die Gegner sind meist assimilierte Tiere und andere Erdbewohner. Durch den Einsatz eurer Waffen „befreit“ ihr deren dankbare Seelen, welche zugleich als Währung für eure stärkere Bewaffnung herhält – typisches Medalling. Habt ihr genug der Seelen eingesammelt, erscheint während des Spiels um euer Schiff herum ein Shop. Hier könnt ihr einkaufen, indem ihr die „Aurora“ in eine bestimmte Richtung steuert, um die verschiedenpreisigen Artikel zu ergattern. Anfangs hat das bei mir für einige Verwirrung gesorgt, da ich nicht verstanden habe, wann und warum der Shop auftaucht und weshalb das Angebot immer anders ausfällt. Später habe ich begriffen, dass es viele Möglichkeiten für Upgrades gibt, die so für Diversität im Power-Up-Management sorgen. Ihr dürft die „Pink Aurora“ nicht nur mit mehreren Stärkungen eurer Waffensysteme füttern, sondern auch Lebensenergie- und Schildverbesserungen für euer Pixel-Schiff erstehen. Zudem gibt es auch die obligatorischen Smartbombs, die mir oft den Allerwertesten in brenzligen Situationen gerettet haben. Die Stärkungen für das klotzige Fluggerät können nicht nur durch den Einkauf im Laden erhalten werden. In sämtlichen Levels findet ihr versteckte, fast unsichtbare Blöcke, die ihr mit euren Waffen bearbeiten müsst. Darin befinden sich ebenfalls Power-Ups, um eure Werte zu verbessern.

Der Umfang von „Dezatopia“ ist gewaltig. Ihr bekommt 24 unterschiedliche Stages, mit 21 verschiedenen Bossen, welche in 21 Routen gespielt werden können. Anfangs stehen euch drei alternative Wege zur Wahl. Mit jedem Beenden einer Route schaltet ihr neue Varianten frei. So ergibt sich ein unglaublicher Mix an Vielfalt und ein hoher Wiederspielwert. Das ist Fluch und Segen zugleich. Freunde von herkömmlichen STGs oder Danmakus werden die unlineare Levelstruktur wahrscheinlich mit eher gemischten Gefühlen aufnehmen, da hier das Auswendiglernen und perfekte Scoren nicht die Tiefe erreicht, wie aus anderen Titeln gewohnt. Wer allerdings für neue Konzepte und Ideen offen ist, kommt hier definitiv auf seine Kosten.

Die Steuerung von „Pink Aurora“ ist gut gelungen. Nie hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht passt und alle Manöver im Spiel sind mir gut von der Hand gegangen. Genau so soll es sein. Technisch ist mir bis auf kleinere Slowdowns bei extremem Gegneraufkommen nichts Negatives aufgefallen.

Zur optischen Präsentation bin ich ja anfangs schon eingegangen. Akustisch erwartet euch ein schräger Soundtrack im Mega Drive Stil. Die 40 Tracks des Spiels reichen von schmissig cool bis Ohren zerfetzend nervig. Normalerweise mag ich stilistische Hommagen an den Mega-Drive-Soundchip sehr. Hier bin ich nicht mit jedem der musikalischen Ergüsse der Entwickler einverstanden. Aber ich denke, das ist einfach Geschmackssache.

Ein weiterer Wermutstropfen betrifft die Leaderboards. Leider sind diese nur Lokal und unterstützen keine online Highscorejagd. Schade, gerade die Vielfalt an Routen hätte hier sicherlich für feine Schlagabtäusche unter hartgesottenen Spielern gesorgt. Dafür hält kleine der Museum-Mode ein paar kleine Goodies bereit. Hier könnt ihr besiegte Feinde studieren und euch freigeschaltete Sounds und Musikstücke zu Gemüte führen.

Fazit:
„Dezatopia“ ist bewusst schräg. Optisch, akustisch, wie spielerisch wird hier alles andere als Standardkost geboten und erinnert an einen spielbaren Drogentrip. Wer dem abstrusen Grafikstil, gepaart mit den ungewöhnlichen Ideen der Entwickler eine Chance gibt, der bekommt ein umfangreiches, gut spielbares Shoot‘em Up, welches durch seine Vielzahl an Routen und Waffenvariationen für einen hohen Wiederspielwert sorgt. Lediglich die fehlenden Online-Leaderboards und der (meiner Meinung nach) teils nervige Soundtrack sind Kritikpunkte, die es zu erwähnen gilt.

Get your trip to the inexplicable... euer Tim aka Dr.Agon

 



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