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Demon's Tilt: Occult Pinball Action

  • By DrAgon
  • Veröffentlicht: 26.12.2019 17:04:27
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  • Zuletzt bearbeitet am: 26.12.2019 17:57:27 von DrAgon
Lesezeit etwa: 6 Minuten, 2 Sekunden

Flipper-Kult oder Schnee von gestern?

Vor einiger Zeit wurde mir gesagt, dass wir in unserer Redaktion scheinbar jedes Testmuster gut finden, welches wir in die Finger bekommen. Und wisst ihr was? Ja, oft stimmt das sogar. Der simple Grund ist, dass wir nur mit von uns ausgewählten Publishern in Kontakt treten, die wirklich interessante Spiele entwickeln, oder unsere eigens gekauften Titel testen. Somit fällt schon mal viel Schaufelware weg, mit der sich andere Redakteure rumschlagen müssen. Zudem kauft sich keiner von uns Games, die er nicht gut findet und daher in Grund und Boden bewerten würde. Klar, es ist zwischendurch auch mal 'ne Gurke dabei, doch davor ist wohl keiner gefeit.

Alles andere als von der EU genormtes Gemüse ist Demon's Tilt: Occult Pinball Action, welches ich im weiteren Text nur Demon's Tilt nennen werde. Besagtes Pinball-Spiel besitze ich schon seit Tag Eins des Early Access Launches auf Steam. Das Game hat eine enorme Entwicklung durchgemacht und wurde Stück für Stück verbessert. Stetig sind neue Modie, Tischerweiterungen und Bugfixes erschienen, die das Spiel immer besser gemacht haben. Kaum ein anderes Indie-Game hat dieses Jahr meinen Nerv derart getroffen, wie das dämonisch angehauchte Kugelchaos der beiden Entwickler Wiznwar und Flarb LLC. Ständig dachte ich: „Das wäre das perfekte Spiel für unseren Hybriden“. Am 23.12.2019 sind meine Gebete endlich erhört worden. Warum das so ist, lasse ich euch gerne wissen.

Compile ist vielen älteren und vor allem Shoot‘em Up-Gamern ein Begriff. Die Pixelzauberer aus Japan haben viele erstklassige Genrevertreter erschaffen, die bis heute zum Besten gehören, was eine Spielesammlung bieten kann. Doch die Nippon-Klötzchen-Schmiede hat uns nicht nur mit starken Ballergames versorgt, sondern haben neben guten Puzzle-Spielen auch drei hervorragende, digitale Flipper auf die Gamerschaft der 90er losgelassen. Unter dem Publisher Naxat Soft sind die Ikonen ALIEN CRUSH, DEVIL'S CRUSH und JAKI CRUSH auf dem Markt erschienen. Erstere haben ihren Ursprung auf der PC-Engine, und JAKI CRUSH ist ein SNES exklusives Vergnügen. Der populärste und beliebteste Titel dieser drei, ist DEVIL'S CRUSH, welcher von Techno Soft einen superben Port auf das Mega Drive bekommen hat. Bis heute gehören diese pixeligen Highscoregames aufgrund ihres genialen Gameplays und intelligentem Tischdesigns zum absoluten Kult für Retro-Pinball-Fans. Nach JAKI CRUSH, Anfang der 90er, gab es nichts Vergleichbares mit annähernd guter Qualität.

Warum erzähle ich euch das? Tja, weil die Entwickler von Demon's Tilt offensichtlich selbst Fans jener Games sind und uns mit ihrem Spiel einen Liebesbrief an die Zeit der kantigen Flipperspiele spendieren.

Im Titelmenü erwarten euch zunächst verschiedene Auswahlmöglichkeiten wie Bestenlisten, Optionen, Kurzanleitungen und Co. Wählt ihr „Spiel Starten“ bekommt ihr drei Varianten des rasanten Kugelspektakels geboten: „Normal“, „EX-Modus“ und „Hardcore“. Zunächst werde ich euch den Ablauf und die Besonderheiten des Pinball-Games erörtern, bevor ich auf die einzelnen Modie zu sprechen komme.

Grundsätzlich bekommt ihr, was ihr erwartet, ein Flipper-Game, in dem es darum geht, den Highscore auf ungeahnte Höhen zu treiben. Drei Kugeln sind eure verfügbare Munition, um den Olymp der Punktejäger zu erklimmen. Bei Demon's Tilt geht es schnell zur Sache. Wie bei den Vorbildern von Compile/Naxat donnert die Kugel in Höchstgeschwindigkeit über den Screen. Anfangs dauert es, bis ihr hierbei den Überblick behaltet, da die Spielkugel von einer Sekunde zur anderen durch die drei Ebenen des großen Flippers fegt. Jene Abschnitte sind von unten nach oben „Hermit“,“Arcane“ und „Zodiac“ benannt und jede Ebene hat ganz eigene Regeln und Score-Systeme. Damals wie heute könnt ihr Pinball-Tische zur Punktejagd spielen oder ihr erfüllt die Missionen, die ein jeder Flipper mit sich bringt. Denn auch Spiele wie diese können durchgespielt werden, indem ihr alle auf dem Tisch verfügbaren Aufgaben erfüllt.

Demon's Tilt steckt auf seinen drei Arealen so voller Möglichkeiten, dass ihr eine ganz Weile damit beschäftigt seid, herauszufinden, womit ihr eure Score anwachsen lassen könnt. Die drei Ebenen sind so vollgepackt mit Gegnern, Rampen sowie Bumpern und lässt euch durch Explosionen, Zahlen sowie krassen Effekten mit offenem Mund dasitzen. Darum gibt es auch das Problem mit der Übersicht. Stellenweise ist heftig viel auf dem Screen los und bei den ersten Partien wisst ihr nicht genau, wo sich das Geschehen abspielt. Sobald aber eine gewisse Eingewöhnung stattgefunden hat, lässt euch das Spektakel nicht mehr los und ihr suchtet Runde um Rund nach dem höchstem Zählerstand.

Um das Scoring in diesem Spiel adäquat zu erörtern, müsste ich wohl noch einige Seiten mehr schreiben. Seid euch aber sicher, dass die Entwickler hier ganze Arbeit geleistet haben, um euch bestens zu unterhalten. Ich habe viele gute digitale Flipper-Games in den letzten Jahren gespielt, doch keines kommt auch nur ansatzweise an die Finesse und dem Ideenreichtum von Demon's Tilt heran. Permanent werden Ereignisse auf den unterschiedlichen Bereichen des Tisches getriggert, die euch nicht nur zum Staunen bringen, sondern auch absolutes Geschick und Verständnis der Sache erfordern. Kurz um, einfach klasse!

Zurück zu den anfangs erwähnten Tischvarianten. Der „Normal“-Modus bietet gerade Einsteigern eine ausgewogene Möglichkeit den Tisch und seine Geheimnisse kennenzulernen. Im „EX-Modus“ treten für erfahrenere Spieler neue Regeln in Kraft, die sich hauptsächlich um das Scoring drehen. Zusätzlich können hierbei Bonusareale in Form von geheimen Tischen entdeckt werden. Auch in diesem Fall zeigt sich wieder die Schablone von Compile, denn das ist ein Markenzeichen ihrer Flipper-Games aus alten Zeiten. Zum „Hardcore“-Modus brauche ich nicht viel sagen. Es ist eine Mischung aus beiden Modie mit verschärften Punkteregeln und nur einer Kugel anstatt dreien. So sollen auch hartgesottene Veteranen, die das Spiel schon gut beherrschen, eine angemessene Herausforderung bekommen. Mit den Online-Leaderboards dürft ihr euch endlose Score-Schlachten um den Thron des Punktekönigs zu ergattern. Ziemlich viel Fleisch am Knochen für ein „einfaches“ Pixel-Pinball-Game, wie ich finde.

Die Präsentation ist ebenfalls eine Wucht. Sauber gezeichnete Pixelsprites, garniert mit opulenten Effekten, erfreuen die Klötzchenliebhaber unter euch aufs Ärgste. Die dämonische Ästhetik erinnert stark an Compiles Devil's Crush, hat jedoch durch seinen Artstyle von Künstler Wiznwar seine ganz eigene Identität. Dazu kommt der treibende Soundtrack, welcher euch mit Sega-Megadrive-Vibes um die Ohren wummert. Im Pausemenü des Spiels dürft ihr selbständig vier verschiedene Tracks anwählen, zusätzlich donnert euch das Kugelvergnügen bei getriggerten Situationen noch mehr feine Sega-Chip-Tunes entgegen. Auch in diesem Punkt ist die Ähnlichkeit zu den klassischen Vorbildern unbestreitbar, da die superbe musikalische Untermalung auch einen großen Teil deren Erlebnisses ausgemacht hat.

Zum Schluss noch die technische Bewertung des Switch-Ports. Ihr dürft das Game Yoko (horizontal) sowie Tate (vertikal) genießen. Je nach dem welche Darstellungsvariante ihr wählt, habt ihr etwas mehr oder weniger Übersicht des Spielgeschehens. Im Yoko-Mode verfolgt eine flinke Kamera das Geschehen gut, während im Tate-Modus das komplette Feld der drei Ebenen überblickt werden kann. Mit horizontalem Bild habt ihr keine großen Nachteile, da die Kamera einen guten Job macht. Lediglich bei Multibällen ist das Hochkantformat einen Tick vorteilhafter, da alle Bereiche gleich gut zu sehen sind. Gerade im Handheldmodus mit einem Flipgripp und Tate-Screen, ist DEMON'S TILT echt ein feines Erlebnis. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings zu beklagen und das betrifft leider die Bildrate des Flipperspiels. Auch wenn das pixelige Treiben auf dem Bildschirm nicht sonderlich ressourcenhungrig aussieht, ist das blanke Gegenteil der Fall. Deshalb gibt es ab und an kurze Freeze-Momente, die den Spielfluss stocken lassen. Das sind nur Bruchteile einer Sekunde, trotzdem fällt so etwas bei der hohen Spielgeschwindigkeit unangenehm auf. Da hoffe ich auf den baldigen Patch, der das Problem behebt. Ansonsten läuft das Game sauber, rund und gibt mir keinen Anlass zu weiterem Tadel.

Fazit:
Pixel-Pinball, wie ich es liebe. Solltet ihr Fans der Klassiker von Compile/Naxat sein, ist dieser Titel definitiv Pflicht für euch. Wer nur einen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Flipper für den TV oder die Hosentasche sucht, ist hier ebenfalls gut beraten. Solltet ihr euch von den Mini-Rucklern nicht abschrecken lassen, bekommt ihr feinstes Gameplay, tolle Optik und einen ohrwurmverdächtigen Soundtrack der Extraklasse serviert.

Für knapp 20 € dürft ihr ebenfalls Dämonen mit der magischen Stahlkugel plätten.

Be a Highscore-Demonslayer...euer Tim aka Dr.Agon




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