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Nachgelegt - Victor Vran Overkill Edition

  • By DrAgon
  • Veröffentlicht: 02.01.2019 20:53:34
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  • Zuletzt bearbeitet am: 03.01.2019 01:14:40 von DrAgon
Lesezeit etwa: 6 Minuten, 21 Sekunden

Diablo May Cry!

Das neue Jahr offenbart uns logischerweise noch nicht viele neue und relevante Releases, deshalb starten wir das aktuelle Kalenderblatt direkt mit einem Nachgelegt-Review. Die Winterzeit bedeutet für mich oft RPG-Zeit und das beliebte Genre hat im Jahr 2018 einige feine Vertreter auf unseren kleinen Hybriden gespült. Mit „Diablo 3 Eternal Collection“ hat das westliche Action-RPG eines seiner heißesten Eisen im Feuer, wenn es um die zeitfressende Jagd nach Ausrüstung und Level-Ups geht. Doch einige Monate zuvor ist Dämonenjäger „Victor Vran“ auf Big-N‘s tragbaren Freudenbringer sesshaft geworden. Der raubeinige Osteuropäer mit Hut ist mir schon öfter ins Visier geraten und jetzt habe ich endlich Zeit gefunden, den grimmigen Schwertschwinger und sein Abenteuer genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wenn ein Rezept wie im Fall Diablo funktioniert, dann möchten möglichst viele ein Stück vom digitalen Kuchen ab haben, um ihr ganz eigenes virtuelles Dessert zu kreieren. Es gibt wirklich viele Diablo-ähnliche Spiele auf dem Markt und die wenigsten sind in meinen Augen wirklich gut. Jeder Publisher versucht natürlich seinem Werk einen ganz eigenen Stempel aufzudrücken, doch oft verwässert das den eigentlichen Kern der Formel und das endet oft in einer langweiligen Hatz nach Monstern und Items.

Das bulgarische Entwickler-Team HAEMIMONT-GAMES ist für Spiele wie „Tropico 4“ und Teil 5 bekannt. Zudem stammt das Space-Survival Abenteuer „Surviving Mars“ aus deren Feder. Das Studio erfindet mit „Victor Vran“ das Rad keineswegs neu, vielmehr haben es die Jungs und Mädels aus dem Balkanstaat verstanden, das Spielprinzip gut aufzugreifen und um einige gelungene Komponenten zu erweitern.

Euer monstermeuchelnder Bartträger ist auf der Suche nach seinem Best Buddy Adrian, mit dem er zusammen schon so manchen Biestbauch aufgeschlitzt hat. Seine Spur endet in der Stadt Zagrovia, welche von einer Unmenge an übernatürlichem Viehzeugs überrannt wurde. Schnell wird klar, dass das schwieriger wird als geplant, und ihr beschließt euren Kumpel nicht seinem Schicksal zu überlassen. Soviel zum Plot. Die ordentlich erzählte Geschichte nimmt hier und da noch seine Wendungen, überrascht dennoch niemanden wirklich, der schon mal ein Fantasy-Game gespielt hat.

Interessant sind allerdings einige Charaktere im Spiel. Zum Beispiel der Händler Damian, der immer mit zynisch-komischen Kommentaren darauf aufmerksam macht, das alle dem Untergang geweiht sind, er aber dennoch im Namen der Wissenschaft Waffen und Items an den Mann bringen will. Oder die Königin der Stadt, welche offenbar etwas wichtiges vor uns verbirgt. Protagonist Victor ist allerdings das stereotype Abziehbild eines Antihelden, trotzdem brachten mich einige seiner Sätze zum Schmunzeln und der mordende Hutträger erscheint recht sympathisch. Victor wird bei uns von Martin Keßler vertont und dürfte den meisten als die deutsche Stimme von Nicolas Cage ein Begriff sein. Nicht die schlechteste Wahl. Auch viele andere qualitativ gute und bekannte deutsche Sprecher/-innen leihen den Figuren ihre Stimmen. Solltet ihr allerdings auf Englisch spielen, bekommt Mr. Vran die Stimme des Witcher-Sprechers Peter Harting. Der Typ versprüht richtig Atmosphäre und verpasst Victor genau die Packung Haare auf der Brust, die es zur Monsterjagd braucht. So oder so hat mich das Voice-Akting überzeugt. Lediglich die Dämonenstimme in Victors Kopf, die einen im Spiel über begleitet, nervt total, denn der plumpe Humor und das Dummgelalle des Hirngespinstes gehen bei mir schon in Richtung Fremdschämen. Die Musik versucht zwar ihr eigenes Ambiente zu versprühen, erinnert mich trotzdem stark an das US-Vorbild des Genres. Macht nichts, klingt dennoch gut.

Das Spiel selbst ist eine gekonnte Mischung aus „Diablo“ und „Devil May Cry“-Light. Soll heißen, ihr schreddert haufenweise Monster zu Kleinholz, um Beute und Level-Ups und Upgrades zu bekommen, tut dies aber mit einer richtigen Hack‘n Slay Spielmechanik. Dort wo „Diablo 3“ schon eher einem Shoot‘em-Up gleicht, darf Victor mit Schwertern, Sensen, Rapieren, Shotguns, Granatwerfern und vielem mehr der untoten Brut per aktivem Tastendruck den Gar aus machen. Was? Solche Waffen gibt es bei Blizzard auch! Stimmt, aber eben nur fast. Während bei der US-Konkurrenz oft nur Werte und Buffs euren Helden beeinflussen, haben hier alle Waffengattungen ihre komplett eigenen Movepaletten für Nah- und Fernkampf am Start. Natürlich gibt es hier ebenfalls den Seltenheitsgrad der Waffen, Buffs und Werte, aber eben mit einer feinen Action-Komponente oben drauf. Für mich als leidenschaftlicher Diablo- und Hack‘n-Slay-Fan eine willkommene Abwechslung. Zu Beginn habt ihr einen Waffenslot, doch recht schnell bekommt ihr den zweiten dazu. Ab da könnt  ihr dann per Tastendruck einfach die Waffe wechseln, was das Kampfgeschehen extrem dynamisch gestaltet und mit Victors anderen Fähigkeiten einen gelungenen Action-Cocktail zaubert. Generell sind die Kämpfe eine geschmeidige Angelegenheit und hier eindeutig die Butter auf dem Brot.

Es gibt außer den Waffen noch Kostüme, Schicksalskarten, Tränke, Zauber, Runen und einiges mehr, was euren Vici zur ultimativen Kampfsau heranwachsen lässt. Die Kostüme verpassen euch nicht nur einen neuen Look, sondern repräsentieren verschiedene Klassen. Anfangs könnt ihr zwischen drei Klamotten wählen, spielt im Laufe des Games noch viele weitere frei. So seid ihr nicht dazu verpflichtet bei einer Klasse zu bleiben, sondern könnt jederzeit euren Stil wechseln.  Die Schicksalskarten sind zusätzliche Buffs. Es gibt eine Menge verschiedener Möglichkeiten, die zig unterschiedlichen Karten in den nach und nach freischaltbaren Slots zu kombinieren, um euren ganz eigenen Monsterjäger zu züchten. Victors Tränke reichen von Heilung über Schutz bis zu Angriffsvarianten alá „The Witcher“. Mit Runen verstärkt ihr eure Waffen, um beispielsweise bestimmte Gegnertypen leichter zu besiegen oder euch mit Lebenspunkten pro Angriff zu versorgen...und und und.

Die einzelnen Stadtteile der gotisch anmutenden Metropole sind auf einer statischen Gebietskarte anwählbar. Anfangs dringt ihr in einzelne Gebiete vor, die dann noch in weitere kleinere Areale unterteilt sind. Wenn ihr die Ortschaften entdeckt hab, könnt ihr sie ebenfalls auf der Map anwählen und direkt bereisen. Ein besonderer Kniff in den Gebieten sind die Aufgaben. Es gibt immer fünf Quests pro Gebiet, welche sich mal mehr mal weniger abwechslungsreich gestalten: Besiegt jene Kreatur, benutzt eine besondere Waffen, erschlagt 50 Monster ohne getroffen zu werden, findet versteckte Schatztruhen etc. Klingt erst mal nicht besonders, aber Loot-Junkies kommen hier auf ihre Kosten. Ihr erhaltet für den Abschluss der Herausforderungen, EXP, Gold oder seltene Waffen. Mich hat es total angestachelt auf der Map, über den bereisten Gebieten jeweils die fünf Sterne für die bestandenen Prüfungen zu sehen.

Inhaltlich sind alle DLCs mit an Bord. Fractured World, sowie das Mötorhead-Special mit den Bandmitgliedern Lemmy und Lloyn Kaufman und einigen Tracks der Metalband sind mit auf der Cardige, um euch für viele Stunden zu beschäftigen.

Ihr seid einsam im Kampf gegen die Untoten, dann startet fix den Co-Op-Modus. Genretypisch lootet ihr lokal zu zweit und online mit bis zu vier Schatzsüchtigen euren Weg durch die fiktive osteuropäische Stadt. Die Verbindung war stets stabil und ich hatte auch kaum Probleme Mitspieler zu finden. Unklug ist allerdings die Entscheidung, dass jeder der Spieler Victor ist. Habt ihr alle das gleiche Kostüm an, ist die Übersicht dahin.

Werfen wir noch einen Blick auf die Technik der düsteren Schnetzelei. Der Flow des Games fühlt sich sehr wie „Diablo 3“ an, was ich wiederum begrüße. „Victor Vran“ plus Anhang ist schon für sämtliche aktuelle Konsolen und den PC erschienen. HAEMIMONT-GAMES hat auf jeder den anderen Plattformen eine saubere Version des Spiels mit systemeigenen Features an den Start gebracht. Auf der Switch hingegen müssen wir logischerweise einige Abstriche machen. Schatteneffekte fehlen komplett, das Blooming von Lichtquellen wurde stark reduziert. Auch Texturen wirken etwas weniger detailliert und die Auflösung ist switchtypisch geringer als bei den Konkurrenzkisten. Dafür läuft das Spiel im Dockt-Mode fast konstant in 60 Frames. Außer wenn zu viele Gegner mit heftigen Lichteffekten auf dem Screen zu sehen sind oder ihr an bestimmten Stellen die Kamera zu schnell dreht. Ach ja, das Spiel hat eine frei drehbare Kamerafunktion, um die Übersicht deutlich zu verbessern. Im Handheld pendelt sich das Spielvergnügen zwischen 40 und 60 Bildern pro Sekunde ein. Die Spielbarkeit wurde dadurch aber zu keiner Zeit beeinträchtigt.

Fazit: Mich hat „Victor Vran Overkill Edition“ wirklich überrascht. Was zunächst nach einem lieblosen Diablo-Klon aussah, hat genug Eigenes im Gepäck, um eingefleischte Fans des Genres bei der Stange zu halten. Das gelungene Kampfsystem und das klasse Item-Management gepaart mit der Vielzahl an Modifikationsmöglichkeiten des Helden haben bei mir dafür gesorgt, die Switch heiß laufen zu lassen. Wer über die optischen Einsparungen des Spiels hinweg sehen kann, bekommt dafür eine trotzdem stabile und actiongeladene Alternative zu „Diablo 3“, die ebenso für Stunden ans Pad fesselt  wie sein großes Vorbild.

Euer Balkantourist Tim aka Dr.Agon.

eiben...



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