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Nachgelegt - Phantom Breaker Battlegrounds Overdrive

Lesezeit etwa: 5 Minuten, 0 Sekunden

M.O.E.‘n Slash!

Es gibt sie, diese Spiele, denen man auf den ersten Blick nicht gleich ansieht, dass sie gut sind. Seltsame Grafik, komisches Gameplay, nerviger Sound oder unsympathische Charaktere, „Phantom Breaker Battlegrounds Overdrive“ hat glücklicherweise nichts davon. Als ich das Spiel 2013 im Xbox Live Store das erste Mal gesehen habe, hat es sofort meinen Nerv getroffen. Die einzigen Voraussetzungen das Spiel zu mögen, sind eine hohe Affinität zur japanischen Subkultur und bock auf Hack‘n Slay Action. Wenn ihr diese beiden Aspekte nicht erfüllt, braucht ihr gar nicht weiterlesen. Die klare Zielgruppe sind hier Otakus, Geeks und Nerds mit Hang zu Kulleraugen, Schwertern und überzogener Darstellung von Spezialeffekten. „PBBG-O“ ist schon ein Weilchen für unseren tragbaren Spaßbringer zu haben. Es sollte aber in keiner gut sortierten Otaku-Bibliothek fehlen und ich erkläre euch warum.

Der bunte Mädchenklamauk ist ein Spin-Off des gleichnamigen Beat‘em Up von „5pb“. Hierzulande ist es höchstens importfreudigen Kampfspielsammlern bekannt, die es sich aus dem fernen Nippon auf PS3 oder Xbox 360 liefern haben lassen. Gekämpft wird in „PBBG-O“ auch, aber nicht wie gewohnt. Der Titel orientiert sich in seiner Ausrichtung an Spielen wie „Guardian Heroes“ oder „Code of Princess“. Das heißt, ihr erlebt ein Sidescroll Hack‘n Slay Brawler auf mehreren Kampfebenen, das vor Gegnern nur so wimmelt.

Die Story des Games ist so egal, wie der bekannte Sack Reis aus China. Die Chibi-Versionen von Mikoto, Waka, Itsuki und Yuzuha müssen ihre Freundin Nagi aus den Fängen der Phantoms befreien, Punkt. Jaaa, das ist nicht gerade viel, aber schon zu Zeiten von „Double Dragon“, „Final Fight“ & Co. hat eine simple Entführung ausgereicht, um der Nachbarschaft reihenweise Termine beim Kieferorthopäden zu bescheren. Ihr wollt ja auch kein storylastiges Textspiel, sondern lieber Schellen verteilen. Oh, apropos Textgame, die „Overdrive“-Version von „Phantom Breaker Battlegrounds“ enthält alle DLCs, die für dieses Spiel erschienen sind. Dazu gehört beispielsweise Kurisu Makise aus der Grafik-Novel „Steins;Gate“, die sich den kloppenden Manga-Miezen angeschlossen hat. Zudem sind noch andere Kämpferinnen mit an Board und das Balancing des Spiels hat sich im Vergleich zum Original ebenfalls verbessert.

Der Stil des Spiels könnte nerdiger nicht sein. Die Charaktermodelle der Mädels und deren Feinde sind in einem pixelähnlichem Look dargestellt, während die Level-Umgebung stattdessen fein gezeichnet und knallbunt eurem Sehorgan schmeicheln. Zu Beginn des Spiels kloppt ihr euch durch das tokioter Elektronikviertel Akihabara, später durch andere mehr oder weniger bekannte Teile der Stadt. In den einzelnen Hintergründen der Areale gibt‘s entweder Referenzen an die Otaku-und Gaming-Kultur zu entdecken oder es machen markante Bauten und Straßenzüge von Tokio auf sich aufmerksam. Eure Widersacher könnten abgedrehter nicht sein. Von besessenen Otakus, über okkupierte Bänker, bis hin zu Robotern und alienartigen Phantomen ist alles mit dabei, um für euch Prügelfutter zu generieren. Der Soundtrack des Games besteht aus schrillen, aber treibenden Chiptune-Sounds, die oft an eine minimale Version von J-Pop erinnern. Für Gamer wie mich, die sowas mögen, ist das ein Fest. Bei allen anderen klingt eine Kreissäge wohl angenehmer.

Der Umfang des farbenfrohen Trip durch Tokio ist moderat und bietet recht viel für den kleinen Preis von 7,99€. Es tummeln sich ein Story-Mode, der Acarde-Mode, zudem ein Vierspieler-Co-Op-Mode und der Battlegrounds-Mode auf eurem Auswahlbildschirm. Die ersten drei Modies sind quasi das Gleiche, aber entweder auf Geschichte, Score-Jagd oder Multiplayer ausgelegt. Im Battlegrounds-(V.S:)Mode schnappt sich jeder ein Kampf-Girl und ihr kloppt euch mit bis zu vier Spielern in einer Arena die Pixel aus den niedlich animierten Gesichtern.

Das Gameplay ist das Salz in der Suppe, außerdem spaßig ist die Möglichkeit, eure Fight-Mietzen aufzuleveln und ihnen allerhand Fähigkeiten zu verpassen. Anfangs sind die Gegner sogar auf „Easy“ eine zähe Truppe und ihr werdet das eine oder andere Mal die pixeligen Radieschen von unten sehen. Dennoch behaltet ihr nach jedem Ableben eure Erfahrungspunkte und dürft eure putzigen Kriegerinnen aufwerten. Attribute wie Angriff, Verteidigung und Geschwindigkeit stehen ebenso zur Verfügung, wie ein umfangreicher Skill-Tree mit Power-Ups wie Doppelsprung, längere Combos, Spezialattaken, Dashangriff und vielem mehr. Einige der Talente lassen sich auch stapeln, macht einfach aus einem Doppel- einen Dreifachsprung usw. Ihr steigt immer nach einer geschafften Stage oder dem besagten Tod durch eure EXP auf. Dann habt ihr die Wahl im Skillset die errungenen Punkte in verschiedenen Kategorien zu verteilen. Natürlich werden die Upgrades immer teurer, was voraussetzt, dass ihr vielen Gegnern ordentlich den Scheitel zieht. Je mehr ihr levelt, desto krasser und schneller wird das ohnehin schon geschmeidige Gameplay. Mit den drei Angriffs und einer Specialmove-Taste zaubert ihr ein Combo- und Effektgewitter auf den Screen, wie ihr es selten erlebt habt. Im Multiplayer kann es schon mal so heftig zur Sache gehen, dass ihr eventuell kurz den Überblick verliert. Habt ihr im Skill-Tree ein paar Spezialangriffe freigeschaltet, dürft ihr diese in bester Street-Fighter-Manier mit Viertelkreisen und der Special-Taste über eure Gegnerschaft hereinbrechen lassen.

Ihr könnt noch einige Charaktere freispielen und jedes der Mädels bringt andere Movements mit sich. Die Girls spielen sich alle individuell. Um alle entsprechend upzugraden, müsst ihr einiges an Zeit investieren. Außer dem vielen Kämpfen und Grinden bietet das Spiel auch nicht wirklich mehr. Mir ist schleierhaft, weshalb kein Online-Play implementiert worden ist. Wer zudem keine Lust auf Grind-Orgien hat und lieber straighte Brawler, wie „Double Dragon“, „Final Fight“ & Co. spielt, ist hier ebenfalls an der falschen Adresse. Da manche Level-Abschnitte von massig Gegnern bevölkert und durch die krasse Action von Effekten überzogen sind, geht die Übersicht zwischendurch flöten.

Fazit:
Das geschmeidige und schnelle Gameplay macht Laune und die Upgrades sorgen für die nötige Langzeitmotivation. Lediglich der fehlende Online-Modus und die mangelnde Übersicht im Effekt-Wirrwarr geben mir Grund zur Kritik. Seid ihr heiß auf M.O.E.-Kult als Hack‘n Slay Brawler, ist das genau euer Spiel. Alle anderen mit Hang zu japanischen Games dürfen ebenfalls einen Blick riskieren. Sollten die zuckersüßen und quietschenden Chibi-Mädchen jedoch einen Brechreiz in euch auslösen, dann macht ihr am besten einen großen Bogen um diese Software.

Keigu anata Tim betsumei Dr.Agon.



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