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Copyright: Grafik: Tim Löffler

Huntdown - Special

Lesezeit etwa: 7 Minuten, 43 Sekunden

Unser Special zum Pixelkracher wird von uns in zweigeteilter Manier präsentiert. Mark Wamsler checkt für Euch den Flow von "Huntdown" und Tim Löffler beleuchtet den Artsyle des klotzigen Highlights.

Spätestens seit Spielen wie „Hotline Miami“ oder „Farcry Blooddragon“ ist der 80er-Neon-Synthwave-Stil in die Wahrnehmung vieler Spieler gerückt. Mit schrillen, leuchtenden Farben und elektronischen Vibes wird an die verklärte Jugend der 80er Kids erinnert. Dabei wird ganz bewusst auf Referenzen aus Filmen, Spielen und Musik jener Ära der Föhnfrisuren und Schulterpolster gesetzt. „Huntdown“ bildet da keine Ausnahme. Im Rahmen unseres Specials möchten wir ein wenig auf die Einzelheiten des Spiels eingehen. Mein Part ist die Ästhetik, Grafik und der Sound des Retro-Ballertrips. Die Einflüsse und Inspirationen für den Titel möchte ich euch etwas näher bringen.

Was anfangs noch als cooles Stilelement der Nische galt, hat sich immer mehr als Trend in den modernen Medien verankert. Serien wie „Stranger Things“, „Future Man“ oder der Independentfilm „Kung Fury“ sind mitverantwortlich, dass sich die Achziger immer mehr zum massentauglichen Phänomen entwickelt haben. Werbewirksam finden sich oft Neonfarben und diverse Versatzstücke der bunten Popkultur in Print- und Digitalmedien wieder. Was ist dieser 80‘s-Hype eigentlich und worauf begründet er? Hier eine kurze Erklärung dazu.

Die 1980er Jahre des letzten Jahrtausends sind geprägt von überdrehten Actionfilmen mit markigen Onelinern ihrer Protagonisten. Viele Filme jener Zeit werden mit charakteristischer Synthesizermusik unterlegt, um einerseits Kosten zu sparen und andererseits moderner zu klingen. Hierbei sind einige Melodien entstanden, die bist in die Jetztzeit als Kult verehrt werden. Beispielsweise der Soundtrack von „Beverly Hills Cop“, „Zurück in die Zukunft“ oder „The Terminator“ sind unvergessene Klassiker. Doch nicht nur die Akustik der Vergangenheit soll den Fan von heute locken, sondern auch die Optik. Neonfarben, dystopische Kulissen im Regen á la „Bladerunner“ oder Sci-Fi-Elemente mit Kybernetik und Laserwaffen werden mindestens genau so oft eingesetzt wie keilförmige Sportwagen oder verchromte Raubkatzen und -vögel vor Gitternetzhintergrund mit orangefarbener Scheibchensonne. Gerade die zuletzt genannten Gestaltungselemente trefft ihr im Gamingbereich am häufigsten an, weil sie damals sinnbildlich für den virtuellen Raum, also auch für das Videospiel, gestanden haben. Spieletechnisch prägen 8-Bit-Pixelspiele den Markt von damals, deren Chiptune-Sounds sich auf ewig in unsere Gedächtnisse gebrannt haben. Diese Zeit ist laut, schrill und bunt gewesen, zumindest in unserer vernebelten Sicht auf die Kindheit. So wollen uns viele der modernen Medien damit catchen.

Es verwundert nicht, dass gerade jetzt so viel Retrozuckerguss auftaucht. Die meisten Entwickler, Regisseure, Musiker oder andere Menschen, welche jetzt auf kreativen Posten sitzen, sind eben genau in dieser Zeit aufgewachsen. Dadurch lassen sie „ihre“ Jugend erneut aufleben und ganz nebenbei die Kassen klingeln. Eine Sache, die so immer wieder stattfindet, wenn die nächste Generation am Drücker ist. Denkt an die 70er-Schlaghosen, die in den 90ern ihr Revival gehabt haben. Das Phänomen findet sich auch in vielen anderen Vermarktungsbereichen wieder.

Das hat gute und schlechte Seiten. So sehr ich selbst viele der Merkmale und Stilmittel der guten alten Zeit schätze, wird das Meiste davon total inflationär dazu benutzt, um Emotionen bei der Zielgruppe zu wecken, welche den Kaufimpuls des Kunden triggern sollen. In gefühlt jeder 80er-Hommage sehe ich Anspielungen auf so ziemlich jedes Spielzeug, jeden Film, jedes Videospiel, der Kleidung oder Musik dieser Dekade. Wie gesagt, mir gefällt es in Nostalgie zu baden und an die schöne Zeit der Kindheit zu denken, als ich samstagmorgens mit ˈner Schüssel Cornflakes und meinen LCD-Spielen von der Glotze gesessen bin und nebenbei He-Man gekuckt habe. In aktuellen Darstellungen jener Tage sehe ich ganze Zimmer voll, mit allem was die damalige Popkultur hergegeben hat. Wenn die Eltern von damals nicht stinkreich gewesen sind, zudem extrem gute Kenntnisse der subkulturellen Entwicklung dieser Zeit hatten, dann haben die Allerwenigsten von uns ihre damaligen Kinderzimmer mit dermaßen viel Nerdkram zupflastern können. Mir ist klar, dass man möglichst jeden mit dem Retro-Hype abholen möchte und deshalb so enorm auf die Kitschdrüse drückt, aber durch diese Instrumentalisierung wirkt es keineswegs mehr authentisch. Es ist absolut in Ordnung an die alten Medien zu erinnern und sich derer Referenzen zu bedienen, dafür ist einfach ein gewisses Fingerspitzengefühl von Nöten.

Nach dieser doch etwas kritischen Analyse, zum eigentlichen Grund dafür, dem Spiel „Huntdown“.

Wenn dieser Style überzeugen soll, ist ein ausgewogenes Verhältnis des Inhalts unabdingbar. „Huntdown“ bedient sich ebenfalls vieler der vorangegangenen Merkmale, um einen Bezug auf die 1980er Jahre zu schaffen. Die Entwickler von EASY TRIGGER GAMES beweisen hier, dass sie verstanden haben, worauf es ankommt. Wir sehen in ihrem Titel so ziemlich alle besprochenen Versatzstücke wieder. Allerdings finde ich den Einsatz dieser Mittel gut balanciert und sie werden dazu genutzt, um „Huntdown“ ein eigenes Gesicht zu geben, ohne im Fahrwasser vergangener, popkultureller Erfolge einfach nur Emotionen zu aktivieren.

Der geschmeidig animierte 16-Bit-Pixel-Look steht hierbei an erster Stelle. Jeder, der etwas für gut designte Rasteroptik übrig hat, kommt nicht an diesem Spiel vorbei. Alles ist wunderbar gezeichnet und versprüht eine lebendige Atmosphäre. Der Stil liegt irgendwo zwischen „Bladerunner“ und „Robo Cop“. Verfallene, punkverseuchte Slums mit Neonlichtspielereien gehören hier genauso dazu, wie die obligatorischen wehenden Mäntel im Wind. Um für die richtige Stimmung zu sorgen, werden gekonnt Lichtquellen in den Arealen platziert. Für den Rest der tollen Präsentation sorgen die üppigen Partikeleffekte und das Paralaxscrolling im Hintergrund für die räumliche Tiefe. Wenn ihr die drei Bountyhunter auf der Jagd nach ihren Zielen gen Gegnerhorden steuert, wirken alle visuellen Teile des Games wie aus einem Guss.

Referenzen vergangener Medien sind bei „Huntdown“ auch ein Thema. Ob das Akira-Plakat im verfallenen Kino oder Snake Plissken, der mit seinem Gleiter landet und euch seine Waffe in die Hand drückt, sind einige solcher Querverweise enthalten. Da diese oft sehr subtil oder als Secrets implementiert sind, stören sie die Identität des Spiels nicht, sondern sind das, was sie sind: Hommagen! Während euch in manchen anderen Titeln schon sofort nach dem Titelbild die „Weißt du noch“-Attitüde ins Gesicht gedrückt wird, um den Nostalgiebonus zu kassieren, wird bei diesem Cyber-Pixel-Trip weniger auf fremde Lorbeeren gesetzt.

Synthwave-Sound ist in so einem Setting schon zum Klischee geworden – oder doch nicht? Das kommt natürlich ganz auf den Einsatz des musikalischen Untertons an. „Huntdown“ geht den eher harten, dreckigen Weg. Die Musik triff so ziemlich genau den Ton der klassischen Actionfilme, ohne arg kitschig zu sein. Kräftige Drums und markige Vibes treiben euch Kopf nickend durch die von Banden verpesteten Areale. Generell ist die Vertonung dieser Indie-Perle mein absolutes Highlight. Schuss- und Spielgeräusche sind an jeweilige Stage-Settings angepasst. Egal, ob ihr im Außenbereich in einem Gebäude oder einem halboffenen Gebiet unterwegs seit, die Akustik ist superbe auf das Bildgeschehen angepasst. Schritte, Schüsse oder andere Sounds sind optimal aufeinander abgestimmt. Vor allem mit Kopfhörern ist „Huntdown“ ein echtes Erlebnis. Die Kirsche auf dem Sound-Sahnetopping stellen die gesprochenen Dialoge dar. Die unterschiedlichen Sprecher verleihen dem Spiel dadurch eine ganz besondere Charakteristik. Ob Auftragsgeber, Endbosse oder die Kopfgeldjäger selbst, alle sind mit charismatischen Stimmen ausgestattet. Eure drei Prämienjäger kommentieren so ziemlich alles im Spiel mit coolen Onelinern im Stil des alten Actionkinos.

Unterm Stich hat mich dieses feine Pixelwerk sehr überzeugt. Das Spiel zeigt mir als Fan und Kenner des 80ˈs Settings, dass nicht alle auf den billigen Emotions-Cashgrap aus sind. Die Code-Jongleure von EASY TRIGGER GAMES möchten mit Liebe zum Detail und genug eigner Identität die alten Tage feiern. „Huntdown“ ist audiovisuell und spielerisch definitiv ein geiler Trip, wenn ihr etwas für (gute) Klötzchengrafik übrig habt.

Euer Tim aka Dr.Agon

Wahnsinn. Das war meine Reaktion auf den ersten Trailer zu Huntdown im Jahr 2017. Hier wurde nicht nur feinste Pixeloptik geboten, nein, hier bahnte sich offensichtlich ein spielgewordener 80er Jahre Actionfilm an.

Nach mehrmaligem Durchspielen auf diversen Systemen hat sich dieser Eindruck mehr als bestätigt. Huntdown ist ganz großes Actionkino und gehört einfach in jede gut sortierte Spielesammlung respektive auf eure Festplatte.

Obwohl man stets das Gefühl hat, ein extrem auffrisiertes Mega Drive oder gar ein Neo Geo Spiel vor sich zu haben, streuen die Entwickler immer wieder moderne Elemente wie die von Tim bereits geniale Vertonung an.

Was hier auf den ersten Blick nach 16Bit Konsole ausschaut, ist gerade Usern der ersten !6Bit Stunde nach wenigen Spielminuten sofort klar, dass sich hier ein Mega Drive gnadenlos überfordert gewesen wäre: Euer Kopfgeldjäger sitzt lässig in seiner Blade Runner Karre und lauscht seiner glasklar vertonten Auftragsgeberin, nur um dann in den neongrellen Pixeltraum zu düsen. Und dann geht es richtig los: Geschmeidig animierte Sprites rennen, hechten und fliegen durch üppig gestaltete Szenarien, die nur so von Special Effekts und Details strotzen. Ausgeworfene Patronenhülsen, Einschusslöcher, Explosionen- Huntdown ist ein Actionporno Güteklasse 1.

Wer also sich einen der drei unterschiedlich spielbaten Kopfgeldjägern aussucht und bei Auftraggeberin Wolfmother seinen Job abholt, macht eine Zeitreise in die goldene Ära der frühen 90er Jahre Konsolenspiele. Egal ob Robocop vs. Terminator, Shinobi, Rolling Thunder oder die zahlreichen Filmports wie Judge Dredd- wer sich damals nur ansatzweise für seitlich scrollende Actionspiele begeistern konnte, erlbet mit Huntdown sein ganz persönliches Graceland.
Dieses Spiel ist ein weiterer Beweis für die unbändige Kreativität der Indie Entwickler sowie der Tatsache, dass einfache und motivierende Spiele wieder gefragt sind.
Also, holt euch bei Wolfmother euren Auftrag, landet in wie Kurt Russel oder Deckard in einer dystopischen Pixel-Großstadt und zeigt den Scatter Punks, dass ihr das Gesetz seid!

Euer Mark aka Kemosabe X



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